Kennst Du Deinen Autopiloten?

 

Wie Du Dein Lebensauto bewusst steuerst

Achtsamkeit ist in aller Munde. Der bewusstere Umgang mit sich und mit der Umwelt ist sehr aktuell. Überall arbeiten Menschen daran, sich besser kennenzulernen. Viele haben verstanden, dass Veränderung im Kleinen und bei jedem Einzelnen anfängt.

Mit dieser Blogbeitrag möchte ich den Weg zu einem bewussteren Leben anhand von Beispielen greifbar machen. Ich erkläre, wie unser Autopilot arbeitet und habe eine Übung zum bewusster werden anhand von Grundwerten entwickelt. Denn, wenn wir uns gut kennen, können wir die Realität erschaffen, in der wir uns wohl fühlen

A. Der Autopilot

Als durchgehendes Beispiel in diesem Blog nutze ich das Auto fahren lernen meiner 17 jährigen Tochter. Bis vor kurzem ist sie im Auto nur mitgefahren. Sie hatte keine Ahnung was das Fahren eines Autos ausmacht. Sie hat nicht darüber nachgedacht und es gab auch keinen Anlass dazu. Jetzt staunt sie auf wie viele Sachen man sich beim Fahren konzentrieren muss. Sie fragt mich oft, wie ich das denn alles auf einmal hinkriege.

Wir haben alle gelernt einfach mitzufahren. Wir denken über vieles nicht mehr nach und reagieren einfach. Diesen Automatismus nenne ich den Autopiloten.

Dein Autopilot ist ein Archivar

Man kann sich das so vorstellen: Der Autopilot besteht aus einer Menge kleiner Archivare in uns, die jede Erfahrung sorgsam in großen Aktenschränken verstauen. Sobald wir in einer bestimmten Situation sind hat einer dieser Archivare blitzschnell die entsprechende Akte gezogen und wir reagieren so wie wir es gelernt haben. Im Laufe der Zeit haben wir so einen Erfahrungsschatz aufgebaut, der uns prägt. Wir folgen Mustern aus der Vergangenheit, den Triggern, ohne dass wir auf der bewussten Ebene etwas davon mitbekommen.

Wir alle kennen das, dass wir manchmal in Situationen geraten, in die wir nicht kommen wollten. Im Nachhinein fragen wir uns wie wir dorthin gekommen sind. Da war bestimmt der Autopilot beteiligt. Klassische Beispiele sind hier die Gespräche zwischen Eltern und Kindern jedes Alters.

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Der Autopilot erleichtert uns das Leben

Der Autopilot ist durchaus eine sehr sinnvolle Einrichtung. Er macht uns das Leben in vieler Hinsicht leichter: Wir sind durch ihn in der Lage Auto zu fahren, auf den Verkehr zu achten und uns gleichzeitig zu unterhalten. Beim Gehen müssen wir nicht darüber nachdenken wie man einen Fuß vor den anderen setzt.

In einigen Bereichen dient der Autopilot uns jedoch nicht: Dann, wenn wir bewusst unsere eigene Wirklichkeit kreieren wollen. Dann sollten wir in der Lage sein, den Autopiloten auszuschalten und vom Fahrersitz aus unser Leben aktiv zu steuern.

Hier ein Beispiel für einen Automatismus: Es gibt Menschen, die immer wieder die eigene Vergangenheit als Ursache für ihr Opferdasein anführen. Jemand anderes ist schuld daran, dass alles schief geht in ihrem Leben. Damit geben sie die Verantwortung für ihr Leben ab und nehmen sich so jede Möglichkeit es aktiv zu steuern. Das Leben passiert ihnen vom Beifahrersitz aus und entsprechend machtlos und schlecht fühlen sie sich.

B. Lerne selbst zu steuern

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Meine Tochter geht zur Fahrschule. Sie hatte erst Theorieunterricht und lernt jetzt mit einem Auto umzugehen, zu schalten und zu steuern. Es fällt ihr noch sehr schwer zusätzlich auf den Verkehr zu achten. In den ersten beiden Fahrstunden hat der Fahrlehrer das Kuppeln und Schalten übernommen und meine Tochter nur lenken, Gas geben und bremsen lassen. Eine gute Idee. Zu viel Neues wäre vielleicht eine Überforderung gewesen. Meine Tochter lernt also gerade, bewusst zu fahren. Sie fühlt sich dabei noch sehr unsicher.

Die Sicherheit der gewohnten Wege zu verlassen und bewusster zu werden kann Angst verursachen. Wir verlassen dann unsere Komfortzone und begeben uns in Unsicherheit. Die Motivation aus dieser Komfortzone heraus zu kommen ist, dass wir uns selbst verwirklichen und unsere Träume leben wollen.

Da in den Schulen oft nur trockenes Wissen auf dem Lehrplan steht, werden wir dort nicht auf das selbstständige Fahren vorbereitet. Es gibt also keine geregelte Ausbildung für das Fahren des Lebensautos. Wir sind für diese Ausbildung selbst verantwortlich.

Das heißt nicht, dass wir beim Lernen alleine sind. Ich hole mir Unterstützung bei Freunden, Familie oder in meinem Netzwerk. Ich ziehe einfach dadurch hilfreiche Information an, dass ich offen dafür bin: Informationen aus dem Internet, aus Büchern oder aus meetup Gruppen. Es ist immer wieder spannend, wen und was ich dabei entdecke.

Ich versuche also meine Selbstfahrausbildung spielerisch anzugehen und mit einer Portion Abenteuerlust zu würzen. Diesen Ansatz empfehle ich gerne weiter. Dadurch wird viel Druck herausgenommen. Ich baue damit auch einen alten Glaubenssatz von mir ab, der besagt dass Lernen eine sehr ernste Angelegenheit ist.

Jeder muss sich irgendwann in sein Auto setzen und selbst fahren üben. So werden wir künftig öfter merken, wann die Archivare auf dem Sprung sind und der Autopilot uns lenkt.

1. Ein gutes Übungsfeld sind unsere Grundwerte

Ein wichtiger Bereich in dem wir uns kennen sollten sind unsere Grundwerte. Ich nenne diese Grundwerte auch innere Wahrheiten. Wenn wir uns bewusst sind, welche Werte wir verinnerlicht haben, können wir sie als eine Art inneren Kompass nutzen. Entscheidungen fallen uns dann viel einfacher.

Eine meiner Grundwerte ist Ehrlichkeit

Seit ich weiß, dass Ehrlichkeit für mich eine wichtige innere Wahrheit ist, fällt mir vieles leichter. Ich habe immer Probleme erschaffen und mich unwohl gefühlt wenn ich nicht authentisch war. Ich habe im Lauf der Zeit gelernt, dass ich am einfachsten durchs Leben fahre, wenn ich meinen Werten folge. Ich bleibe mir dann treu und fühle mich viel wohler. So lange mein Handeln zu den inneren Werten passt fahre ich nicht gegen einen Baum. Ich merke, dass ich dann in meinem Flow bin.

2. Jeder hat andere Grundwerte

Es ist mir aber sehr schwer gefallen einzusehen, dass viele Menschen den Grundwert Ehrlichkeit nicht haben und dass das auch OK ist. Ich habe weniger Probleme, das bei Menschen zu akzeptieren, die mir nicht nahe stehen. Ganz anders sieht das aus, wenn meine Kinder mich anschwindeln. Ihr kennt das alle: „Ich war das nicht!“ „Ja ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“ Darüber kann ich mich immer noch aufregen: Mein Argument ist dann: Steh doch dazu, dann ist alles einfacher. Das ist für mich zwar so aber nicht unbedingt für andere.

So ist das mit unseren Grundwerten: Jeder hat andere und wir denken oft, dass unsere persönlichen Werte die einzig richtigen sind und daher allgemeingültig sein müssen. Dem ist nicht so. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass jeder auf seinem Kompass andere Werte stehen haben kann. Und diese Werte sind genauso relevant wie unsere eigenen.

3. Übung zu den Grundwerten

Nimm Dir ein Blatt Papier und unterteile es in 2 Spalten. Schreibe in die erste Spalte Deine Grundwerte und in der zweiten Spalte notierst Du Dir ob und wie Du sie heute lebst. Du solltest sie so konkret wie möglich aufschreiben.

Wie findest Du Deine Grundwerte? Fragen die dir dabei helfen können sind:

  • Was ist wichtig in meinem Leben?
  • Womit verbringe ich heute viel Zeit und fühle mich gut dabei?
  • Was willst Du genau in Deinem Leben haben?
  • Wovon brauchst Du mehr?
  • Was möchtest Du noch lernen und wissen?

Du kannst auch durch konkrete Situationen Hinweise auf Deine Grundwerte finden:

  • Wann hast Du das letzte Mal ein Gefühl von Erfüllung oder tiefer Zufriedenheit gespürt? Stell Dir die Situation genau vor. Dort warst Du mit Deinen Werten wahrscheinlich im Einklang. Welche Werte waren das?
  • Wann warst Du das letzte Mal unzufrieden und unglücklich? Gegen welche Werte könntest Du da gearbeitet haben? Oder lebst Du noch nach Werten, die für die nicht mehr stimmen?

Du kannst auch von den Dingen, die Dir Spaß machen und die Deine Augen leuchten lassen auf Deine Werte schließen.

Beispiele für Grundwerte:

Sicherheit, Zufriedenheit, Abenteuer, Selbstständigkeit, Glück, Liebe, Familie, Unterstützung, Gemeinschaft, Gesundheit, Kreativität, Freiheit, Gerechtigkeit.

Wichtig ist mir festzuhalten, dass Deine Werte Dich nicht begrenzen. Sie gehören zu Dir und durch sie kannst Du Dich besser kennenlernen. Du kannst diese Werte auf so unterschiedliche Art und Weise leben, wie Du Dir das jetzt vielleicht noch nicht vorstellen kannst.

C. Den Autopiloten stoppen

Wenn Du Dir Deiner Werte bewusst bist, merkst Du vielleicht bald, an welchem Punkt ein Archivar dabei ist eine Akte zu zücken und sagst: Stopp! An dieser Situation fühlt sich etwas komisch und nicht richtig an. Hör auf diesen Impuls und sag Stopp! Dieser Stopp ist entscheidend. Denn durch den Stopp wird der Autopilot sofort abgestellt. Erst nach einem Stopp bist Du raus aus dem Automatismus und kannst analysieren, was sich komisch angefühlt hat und anders reagieren.

Was kannst Du tun wenn Du merkst, dass du im Autopilotenmodus gefahren bist und mit einem Stopp das Auto anhältst? Setze gezielt kleine Aktionen. Bereits durch kleine bewusste Aktionen kannst Du Deine automatische Reaktion verändern und anfangen eine neue Akte in Deinem Archiv anzulegen.

Hier ein Beispiel für kleine Aktionen nach einem Stopp: Im Gespräch atme ich bewusst ein oder fasse mir ans Ohrläppchen. In dieser kurzen Zeitspanne kann ich mich neu orientieren und anders reagieren.

Wir erschaffen das worauf der Autopilot zusteuert. Wenn wir gelernt haben, dass wir ein Opfer sind und uns das Leben passiert dann ist das so und wird auch so lange so bleiben, bis wir uns dieses Automatismus bewusst werden und uns entscheiden, anders zu handeln.

Was kannst Du z.B. tun, wenn Du Dich als Opfer fühlst? Suche Dir eine Situation, in der Du achtsam behandelt wirst. Gehe in ein Café. Da bist Du als Kunde automatisch wichtig. Jemand bedient dich. Oder suche den Kontakt zu Freunden, die Dich wertschätzend behandeln.

D. Müssen wir uns immer allem bewusst sein?

Bewusster zu leben bedeutet meiner Meinung nach nicht, sich in jedem Moment allem bewusst zu sein. Ich finde das wenig effizient und viel zu anstrengend. Ich muss nicht immer wissen welche Werte, Glaubenssätze oder Gefühle gerade eine Rolle spielen. Genauso wie meine Tochter irgendwann nur einen Teil ihrer Aufmerksamkeit zum sicheren Auto fahren braucht, brauche ich langfristig nur einen Teil meines Bewusstseins, um meine Realität so zu erschaffen, wie ich möchte.

Entscheidend ist, rechtzeitig zu bemerken, wenn ich von dem für mich optimalen Weg abkomme, d.h. wann der Autopilot mich in eine falsche Richtung lenkt. Ich realisiere dann, dass gerade etwas nicht in Ordnung ist. Dann kann ich nach einem Stopp wieder zurück auf den Weg fahren, den ich mir bewusst aussuche.

Ich habe mir angewöhnt mehrmals am Tag innezuhalten und mich zu fragen, ob ich gerade auf dem richtigen Weg bin. Dadurch kann ich nötige Kurskorrekturen vornehmen und mich dann idealerweise wieder in meinem Flow begeben.

E. Du erschaffst Deine eigene Realität

tomkatMeine Tochter ist momentan bezüglich des Autofahrens noch außerhalb ihrer Komfortzone. Sie lernt viel Neues und nimmt das Fahren ganz anders wahr als früher. Es macht ihr aber auch sehr viel Spaß! Demnächst ist sie dann alleine dafür verantwortlich, wohin sie fährt und ob sie pünktlich ankommt. Sie wird Routine entwickeln und das Auto fahren wird ihr immer leichter fallen.

Auch Dir wird es immer leichter fallen Dein Lebensauto bewusst zu steuern und immer öfter das Lenkrad in die Hand zu nehmen und den Autopiloten auszustellen. Stück für Stück erkennst Du dann die Programme und Automatismen, die Du mit Dir herumträgst. Verurteile Dich nicht dafür, dass Du sie hast. Sie haben Dir einmal gedient und jetzt brauchst Du sie nicht mehr.

Mit unseren Automatismen haben wir so lange gelebt, dass wir ohne eine bewusste Anstrengung nicht in der Lage sind sie wahrzunehmen. Mit ihnen fahren wir auf den bekannten eingefahrenen Wegen. Es ist an uns auszusortieren, welche dieser Wege wir bewusst weiter benutzen weil sie uns dahin bringen wohin wir wollen und welche wir nicht mehr befahren, weil sie uns nicht mehr dienen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Du Dir mit dem Ausschalten des Autopiloten das Hier und Jetzt erschließt. Denn nur im Jetzt kannst Du bewusst Deine Realität erschaffen. Nur hier triffst Du die Entscheidungen, die dich dahin bringen wo Du wirklich hin möchtest.

Wenn Du ab jetzt immer öfter vom Fahrersitz aus Dein Lebensauto steuerst und bestimmst wo es lang geht bedeutet das, dass Du die alleinige Verantwortung für Deine Entscheidungen übernimmst. Du und kein anderer fährt Dein Auto. So macht das Fahren Spaß! Vergiss nicht ein wenig Humor und Abenteurlust auf Deinen Weg mitzunehmen.

Ich hoffe, ich konnte hier Anregungen und Informationen liefern, die Euch helfen auf Eurem eigenen Weg weiterzugehen. Ihr habt es in der Hand. Es liegt an Euch wie Ihr Euer Leben gestaltet. Viel Freude beim Erschaffen.

 

Links zum Thema Grundwerte:
Der Sozialpsychologe Shalom H. Schwartz hat Grundlagenforschung zum Thema Werte betrieben: https://de.wikipedia.org/wiki/Shalom_H._Schwartz . Er hat Grundwerte in 82 Länder untersucht und ein bekanntes Wertediagramm erstellt:  Internationale Werte.

© Inge Schumacher

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Autor: Inge Schumacher

Ich heiße Inge und bin Heilpraktikerin. I blog in English (The Fairy Tale Dimension - a behind the scenes look) und Deutsch (Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung). My website (www.physio-energie.com) is bilingual.

3 Kommentare zu „Kennst Du Deinen Autopiloten?“

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