Meine 6 Tipps für stressfreie Weihnachtstage

Weihnachten ist nichts für Weicheier.

In keiner anderen Zeit prallen so viele Erwartungen aufeinander wie an Weihnachten. Wochenlang bereiten uns Medien und Werbung auf das Fest des Friedens und des Schenkens vor: In sanftem Kerzenlicht wird im Rahmen der glücklichen Großfamilie gegessen und Geschenke ausgetauscht über die sich alle Beteiligten außerordentlich freuen.

Obwohl ich mir schon lange dieses riesigen Drucks bewusst bin, der jedes Jahr aufgebaut wird, ertappe mich immer wieder dabei in diese Erwartungsfalle zu tappen.

Realitätscheck

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Großfamilie mit vielen verschiedenen Menschen, die alle unterschiedliche Leben führen, blind verstehen?

Hand aufs Herz. Wie sind Eure Erwartungen für dieses Weihnachten?

Meine Erfahrungen

In meiner Kindheit gab es an Weihnachten immer Stress. Meine Mutter war von den ganzen Vorbereitungen, die sie meist alleine gestemmt hat, völlig fertig und entsprechend gereizt. Mein Vater fühlte sich für Weihnachten und Haushalt nicht zuständig.

Als wir vier Kinder klein waren, waren wir total aufgeregt und kaum zu bändigen. Ich habe mich als Älteste verantwortlich für den Familienfrieden gefühlt, was  eine große Überforderung war. Kein Wunder, dass  je älter ich wurde, meine Abneigung vor diesem Fest immer größer wurde. Als ich ausgezogen war, habe ich es vermieden Weihnachten nach Hause zu kommen.

Seitdem versuche ich Weihnachten zu entschärfen

Seit fast 30 Jahren kenne ich meinen Mann und seit 18 Jahren haben wir Kinder. Ich hatte also viel Zeit um mit meiner eigenen Familie Weihnachten zu üben. Mittlerweile ist es für uns alle ein ziemlich entspanntes Fest. Für mich war es ein langer oft nicht einfacher Lernprozess.

Ich verrate Euch hier 6 Tipps, die sich für mich bewährt haben:

1. In der Vorweihnachtszeit den Fuß vom Gas nehmen

Wenn die Vorweihnachtszeit anstrengend ist, dann ist das keine gute Voraussetzung für ein entspanntes Weihnachten. Seit ich mehr arbeite, gibt es weniger Weihnachtskekse und die Wohnung ist auch nicht mehr so ordentlich. Dieses Jahr haben meine Kinder das 1. Mal keinen selbst gebastelten Adventskalender, was mir viel Zeit geschenkt hat.

Bei Kind Nr. 3 fühle ich mich auch nicht mehr dafür zuständig, in der Schule zu backen. Da dürfen jetzt mal andere ran. Zuerst hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine Aktivitäten beschränkt habe. Jetzt sehe ich das als gute Investition in ein entspanntes Weihnachten.

2. Weniger Geschenke sind mehr

Ich habe gute Erfahrungen mit weniger Geschenke im Familien- und Freundeskreis gemacht. Die Erwachsenen in beiden Familien – mein Mann und ich haben beide 3 Geschwister – verzichten schon lange auf Geschenke. Bevor die ersten Kinder kamen, haben wir uns zusammen über Weihnachten in Dänemark ein Haus gemietet. Das war herrlich entspannend.

Ich gehe nicht gerne einkaufen und habe deswegen eine Liste mit Ideen, die ich im Laufe des Jahres fülle, wenn ich denn daran denke. Geschenke in der letzten Minute sind für mich Stress pur; deswegen vermeide ich das.

Hier ist das individuelle Wohlgefühl entscheidend. Ich habe Freunde, die einen riesengroßen Spaß daran haben in letzter Minute kreative Ideen für Geschenke zu produzieren.

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Letztes Jahr beim Adventskranzbinden. Das macht mir immer viel Spaß.

3. Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation

Das allerwichtigste ist das Sprechen über die individuellen Erwartungen. Was wollen alle am Fest Beteiligten? Die Kinder, die Eltern, die Großeltern, die Geschwister und die Freunde.

Welche Erwartungen hat wer ganz genau und welche davon wollen wir umsetzen? Es ist gar nicht einfach, konkrete Erwartungen herauszubekommen, da wir gerade zu Weihnachten oft ziemlich schwammig sind. Dieses unterschwellige „Ihr wisst doch…“ ist nicht zielführend. Aussprechen bringt Klarheit, auch für den Redner.

Wenn Familienmitglieder nicht offen kommunizieren und sagen, dass ihnen alles recht ist, nur weil sie einem einen Gefallen tun wollen, geht das nach hinten los. Meiner Schwiegermutter fiel es z.B. immer schwer zu sich stehen. Das hatte zur Folge, dass sie sich dann nicht immer wohl fühlte.

Die Erwartungsklärung ist ein Prozess, der sich über etliche Jahre hingezogen hat. Wir haben nicht aufgegeben und es hat sich gelohnt: Mit steigender Transparenz der einzelnen Erwartungen ist unser Weihnachtsfest viel entspannter geworden.

4. Reflektion

Besonders als Eltern mit Kindern  sollten wir uns über unsere eigenen Zielvorstellungen möglichst klar sein. Hier einige Fragen, die dazu beitragen können:

  • Was wollen wir auf jeden Fall und was nicht?
  • Welche Werte haben wir und wie wollen wir sie Weihnachten leben?
  • Was war an den letzten Weihnachtsfesten gut und was nicht?
  • Wie sind die familieninternen Rituale? Wie wichtig sind sie den einzelnen Familienmitgliedern und dienen sie allen noch?
  • Prioritäten setzen, was ist für uns Weihnachten am allerwichtigsten? (Bei mir ist es Stressfreiheit.)

Automatismen erkennen und abstellen

Gerade Weihnachten meinen wir, dass wir Traditionen nicht sterben lassen können weil unser Fest dann gleich mitstirbt, was natürlich Unsinn ist. Wie so oft gibt es mehr Möglichkeiten als man denkt.

Nur weil es immer die Gans am 1. Weihnachtstag gab, muss das dieses Jahr nicht genauso sein, wenn das dem Oberziel (z.B. Stressfreiheit) widerspricht. Wenn es ohne Gans nicht geht, kann man bei einigen Restaurants auch Gans to go bestellen.

Die Hauptvoraussetzung für kreative Ideen und andere Lösungen ist, dass wir offen für neue Gedanken sind. Das sind wir aber nur, wenn uns bewusst ist, dass wir an Weihnachten noch mehr im Autopiloten-Modus fahren als sonst.

Wenn ich merke, dass mich etwas stresst, veranstalte ich mit meinem Mann eine Kreativitätssession, wo wir überlegen wie ich ein für mich wichtiges Ziel auf einem stressfreieren Weg erreichen kann.

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Schon ein etliche Jahre her, dieser Kreativitätsschub.

5. Planung

Den Weihnachtstagen tut Struktur gut. Je mehr Personen beteiligt sind zu mehr Planung rate ich. Und zwar meine ich eine Planung, die jede Menge Freiräume beinhaltet, damit erst gar kein Druck oder keine Hektik aufkommt, weil man in einem engen Zeitplan steckt.

Die Freiräume oder das was nicht drin steht sind bei dieser Planung  am wichtigsten.

Wie grob oder wie detailliert Eure Planung ist, kommt auf Eure Präferenzen an. Hier sind ein paar Strukturierungs-Möglichkeiten:

  • Ein ungefährer Zeitplan für die Weihnachtstage (Freiräume nicht vergessen)
  • Eine Übersicht: Wer ist wann wo?
  • Ein Essensplan: Wer ist zuständig für was, was kann wann vorbereitet werden? Unser Essensplan trägt viel zu meiner Entspannung bei.
  • Zeit zum individuellen oder gemeinsamen Pausen, z.B. einen Film ansehen, spazieren gehen, spielen.

Ich habe gelernt, an den Weihnachtstagen möglichst keine Experimente zu machen. Entspannend ist eher das, was man kennt. Brettspiele zu spielen, obwohl man das sonst nie macht ist keine gute Idee.

Kinder brauchen Freiraum

Kleine Kinder haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und können sich noch nicht lange selbst beschäftigen. Ich rate davon ab, ein großes Essen zu planen, das ihnen wenig Freiraum gibt. Stress ist dann vorprogrammiert. Wenn meine Kinder zufrieden sind, ist es für mich immer viel entspannter.

Größere Kinder können gut in die Vorbereitungen einbezogen werden und Verantwortung für Aufgaben übernehmen. Meine Kinder greifen mir in dieser Zeit gerne unter die Arme. Auch hier gilt für mich als Chefplanerin: Klar zu sein ist das Allerwichtigste!

6. Nur Du bist für dich verantwortlich

Jeder muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es ihm gut geht. Das gilt auch und besonders an Weihnachten und für alle Familienmitglieder. Diese Verantwortung lässt sich nicht delegieren.

Meine Kinder merken meist vor mir, dass ich gestresst werde und fragen mich, was los ist. Ich bin dankbar für dieses Frühwarnsystem und kann dann sofort reagieren.

Was tut Euch gut?

  • Traut Euch aus alten Strukturen auszubrechen, wenn sie zu sehr belasten!
  • Bindet Eure Familie ein bei den Vorbereitungen und delegiert. Dann müsst Ihr natürlich damit leben, dass andere Menschen etwas anders machen als Ihr es Euch vorstellt. Eine gute Übung in Akzeptanz!
  • Entzieht Euch dem Trubel und fahrt weg, wenn Euch alles zu viel wird. Ja, das darf man!
  • Müssen Verwandte, die nur nerven wirklich eingeladen werden?
  • Ganz wichtig: Ihr seid nicht dafür verantwortlich, was Andere denken.

Wenn es trotzdem einmal eskaliert

  • Hole Dir Hilfe beim Runterfahren des Stresslevels.
  • Nimm wahr, was Stress-Auslöser für Dich sind und merke sie Dir als Hinweis darauf, wo Du nach Weihnachten einmal genauer hinsehen kannst.
  • Erwarte nicht, dass nur, weil Du in diesem Jahr ein paar Sachen änderst, kein Stress mehr entsteht.

Die Weihnachtszeit ist immer wieder ein Test für mich, der mir zeigt, welche Fortschritte ich im letzten Jahr in meiner persönlichen Entwicklung gemacht habe.

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Mein Angebot für ein entspanntes Weihnachtsfest:

Die Themen, an denen Du gerade arbeitest, kommen gerade  in der Weihnachtszeit gerne hoch. Hol Dir Hilfe. Ich biete ein Energiearbeits-Coaching an, um Dir zu helfen das diesjährige Weihnachtsfest stressfreier zu gestalten.

Bilder: privat

© Inge Schumacher

 

Buchempfehlung: Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg

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Autor: Inge Schumacher

Ich heiße Inge und bin Heilpraktikerin. I blog in English (The Fairy Tale Dimension - a behind the scenes look) und Deutsch (Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung). My website (www.physio-energie.com) is bilingual.

5 Kommentare zu „Meine 6 Tipps für stressfreie Weihnachtstage“

  1. So unglaublich es klingen mag, aber ich liebe die Weihnachtszeit so sehr, dass ich absolut noch nie Stress währenddessen hatte 🙂 Mir machen die Vorbereitungen Spaß, auf den Geschenken liegt keineswegs mein Hauptaugenmerk. Qualität statt Quantität ist mein Motto und ich schenke gerne persönliche Geschenke, die meinen Lieben wesentlich mehr Freude machen, als viele Dinge, die lieblos gekauft wurden.

    Aber deine Tipps sind einfach super. Ich werde diesen Beitrag meiner Mutter empfehlen, die alle Jahre wieder mit dem 1. Dezember in totale Hektik und Stress verfällt 😉

    Heuer allerdings bin ich mir noch gar nicht sicher, ob ich Weihnachten überhaupt feiern möchte, da diesmal ein geliebter Mensch weniger am Tisch sitzen wird. Aber vielleicht ist gerade das ein Grund, das Beisammensein mit der Familie zu zelebrieren. Das tut man während des Jahres ohnehin viel zu selten 🙂

    Liebe Grüße, Kay
    http://www.twistheadcats.com

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für Dein Feedback, liebe Kay!
      Mein Mann steht vor seinem ersten Weihnachtsfest ohne Eltern und gerade an Weihnachten ist die Lücke, die sie hinterlassen deutlich zu spüren.
      Ich fühle mit Dir.
      Inge

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  2. Ist ja witzig – die Feiertage selbst sind für mich immer total entspannt, denn dann liegt wieder alles in meinem eigenen Handlungsbereich. Aber die Adventszeit ist fürchterlich, seit ich Mama geworden bin. Da sind so viele Erwartungen von Außen, mit denen ich konfrontiert werde. Und weil ich meinen Sohn nicht enttäuschen will, mache ich diesen Weihnachts-Wahnsinn halt mit. Hast du da auch Tipps?

    Liebe Grüße
    Anna

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Anna,
      Du als Mama bist das Allerwichtigste. Wenn Du in die Knie gehst, wars das.
      Meine Tipps, schau was Du irgendwie delegieren kannst: Z.B. Kann eine andere Mutter Dein Kind vielleicht zur Weihnachtsfeier mitnehmen? Wenn Dich Plätzchenbacken stresst, lass es. Freunde backen vielleicht auch?
      Mach ein paar Events und zwar die, die Dir Spaß machen.

      Liebe Grüße
      Inge

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