Übungen und Inspirationen zu Resilienz: Was uns stärker macht

Hier findest Du viele Inspirationen und Übungen zur Stärkung Deines psychischen Immunsystems, Deiner Resilienz.

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Resilienz ist unser seelisches Immunsystem.

Durch unsere Resilienz überstehen wir schwierige Lebenssituationen ohne dauerhafte Beeinträchtigungen.

Wir alle besitzen dieses psychisches Immunsystem, das uns hilft Stress, Druck und Rückschläge zu bewältigen und zu überwinden. Als Kind wird die Basis für dieses Immunsystem gelegt.

Den ausführlichen Artikel zum Thema Resilienz findest Du hier.

Als Erwachsene haben wir die Verantwortung dafür zu sorgen, dass unsere Resilienz trainiert wird und wir uns einen Resilienzvorrat für Notfälle aufbauen.

Wie Dein Resilienz-Training aussieht ist egal

Hauptsache ist, Du bist Dir bewusst, dass Du dieses Immunsystem hast, das ab und zu Deine Aufmerksamkeit braucht.

Ich halte viel von einfachen Übungen. Wir werden durch Übungen aktiv und stellen so die Zeichen auf Veränderung.

Übungen verursachen außerdem neue Verknüpfungen im Gehirn. Wir schalten unseren Autopiloten aus und eröffnen uns neue Wege und Möglichkeiten.

Für Dein Resilienz-Training habe ich für verschiedene Resilienzfaktoren Inspirationen und Übungen zusammengestellt. Vieles davon nutze ich selber und habe es auch ausprobiert. Je mehr Schutzfaktoren wir haben desto widerstandsfähiger sind wir. Such Dir etwas aus und lege los!

Inspirationen und Übungen zur Stärkung Deiner Resilienz

1. Inspiration: Nutze Deine Stärken auf andere Art und Weise

Auf Deine Stärken kannst Du Dich immer verlassen. Kennst Du sie? Schreibe 5 Stärken auf. Wenn Dir keine einfallen, frage Menschen in Deiner Umgebung oder lass dich im Internet inspirieren.

Hier einige Beispiele wie Du Deine Stärken kreativ anders einsetzen kannst:

  • Großzügigkeit: Verschenkst Du gerne etwas? Schenke Dir selbst etwas Kleines.
  • Verzeihen: Du kannst gut verzeihen? Verzeihe Dir selber jeden Tag etwas.
  • Lebensfreude: Du bist oft gut drauf? Drücke das einmal anders aus: Trage verrückte Farben oder eine Blume im Haar.
  • Humor: Bring Dich selber zum Lachen.
  • Dankbarkeit: Zeige Menschen Deine Dankbarkeit, die sie sonst nicht sehen. Damit sorgst Du für schöne Überraschungen: Als ich mich bei einem Flixbusfahrer ausführlich für die sichere Fahrt bedankt habe, hat er seinen Ohren nicht getraut.
  • Fairness: gilt auch für Dich. Achte darauf, ob Du heute fair behandelt wurdest. Tritt für Dich ein und sag etwas, wenn das nicht so war.

 2. Übung für ein realistisches Selbstbild

1. Dein Selbstbild:

Schreibe auf ein Blatt Deine Erfolge oder Stärken und auf ein anderes Deine Misserfolge oder Schwächen und markiere die drei wichtigsten.

2. Das Fremdbild:

Hole Dir danach Infos von anderen: Chefs, Kollegen, Freunde oder Angehörige. Welche Stärken und Schwächen nehmen sie bei Dir wahr? Welche humorvollen Bemerkungen werden über Dich gemacht? Schreibe das Fremdbild auf eigene Blätter.

3. Zusammenführung

Lege die Blätter nebeneinander und untersuche die Unterschiede. Gibt es Überraschungen? Diese Übung ist übrigens eine gute Vorbereitung für Vorstellungsgespräche.

Sich selbst gut einschätzen zu können ist wichtig.

Du kannst in Krisensituationen besser beurteilen wie viele Reserven Du hast und wann es zu viel für Dich wird.

Ich gehe öfter bewusst über meine Grenzen. Ich habe mich dann dafür entschieden. Ich weiß, dass ich danach mehr Erholungszeit brauche und das nehme ich in Kauf.

Echte Wertschätzung Text Platzhalter(1)

3. Inspiration: Die Brücke der Sympathie entschärft schwierige Situationen 

Vor Jahren hatte eine gute Freundin von mir große Probleme mit einer sehr schwierigen Chefin.

Sie strahlte natürlich jeden Tag mehrfach aus wie unmöglich sie diese Frau fand. Die Chefin reagierte darauf mit Mikromanagement: Sie kontrollierte meine Freundin minutiös. Meine Freundin wollte ihre Freiheit zurück haben und nicht ihren Job wechseln.

Ich rat ihr zu folgendem: Sie sollte etwas finden, das sie an dieser Frau wirklich schätzte und das täglich ausstrahlen. Es hat geklappt! Das Mikromanagement hörte auf und die Arbeitssituation wurde deutlich entspannter – für beide Seiten.

Letztens hat Kurt Tepperwein diesen Wertschätzungstrick die Brücke der Sympathie genannt. Eine sehr passende Bezeichnung.

4. Inspirationen und Übungen zu Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist der Glaube an die eigene Kompetenz. Um Deine Selbstwirksamkeit zu stärken brauchst Du immer wieder positive Erfahrungen. Um diese zu sammeln musst Du zuerst aus der Komfortzone raus. Hier ein paar Beispiele:

1. Sichtbarer in Gruppensituationen

a. Stehe so gerade und locker wie möglich

Statt auf den Boden zu starren, wenn Du unsicher bist, suche Dir einen Gegenstand auf Augenhöhe. Du stehst gerader und wirkst offener.

b. Mach Dich interessant

Halte Dich nicht im Hintergrund und verstecke Dich. Gehe auf mindestens eine Person zu, frage nach und höre zu. Zur Vorbereitung reicht schon eine kurze Beschäftigung mit den aktuellen Nachrichten.

c. Zeig Dich

Ich habe auf dem Kongress für Nachhaltigkeit und Verantwortung im November am ersten Tag einen knalllila Blazer angezogen. Ich wollte gesehen werden! Ich bin aufgefallen und habe wertvolle Kontakte geknüpft. Dass das eine riesengroße Überwindung für mich war hat bestimmt keiner gemerkt.

2. Glaubenssätze entlarven und verändern

Glaubenssätze sind Überzeugungen und Einstellungen also Lebensregeln, die wir im Laufe unseres Lebens unbewusst verinnerlicht haben. Sie sind sehr wichtig, weil sie unser Verhalten bestimmen:

Wenn sich jemand minderwertig fühlt, hat er das Bestreben, andere auf seine subjektive Größe zurechtzustutzen: Er strahlt aus: Alle anderen sind doof oder inkompetent und handelt entsprechend.

a. Was hindert mich daran …?

Wie finde ich meine Glaubenssätze? Ich muss sie ja erst erkennen. Das kann ich z.B. durch Fragen zu meinen Ziele erreichen: Mir hilft die Frage: Was hindert mich daran…?

Schreibe das was Dich an der Zielerreichung hindert auf und Du wirst einigen Glaubenssätzen auf die Schliche kommen.

b. Glaubenssätze ändern

Glaubenssätze verändere ich durch Umdeutung und setze mit kleinen Aktionen Zeichen.

Glaubenssatz Verhaltensänderung Umdeutung
Ich bin dumm Ich melde mich als Experte zu einem Thema Ich mache mich schlau
Ich fühle mich klein Ich gehe heute sehr aufrecht und gerade Ich bin groß
Ich fühle mich machtlos Ich tue etwas Kleines Ich handle

5. Inspirationen und Übungen zu Selbstvertrauen

Das Annehmen von Komplimenten musste ich lange üben und ich fühle mich heute noch manchmal komisch dabei. Ich denke dann bewusst: Das hast Du verdient, einfach weil Du da bist. Wie ist das bei Dir?

a. Mit Aufregung umgehen

Deinen Atem hast Du immer dabei. Ruhiges Ein- und Ausatmen erdet und gibt Sicherheit.

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b. Fake it until you make it

Powerposen sehen doof aus und fühlen sich komisch an, wirken aber. Du brauchst dafür nur 2 Minuten Zeit und einen ruhigen Platz.

Beispiele für Powerposen
  • Reiß die Arme hoch wie ein Sieger
  • Trommel Dir auf die Brust
  • Im Sitzen: Verschränke die Hände hinter dem Kopf und lehne dich zurück
Sei Wonderwoman oder Superman
  • Stell dich mit den Beinen hüftbreit auseinander
  • Richte Dich zu Deiner vollen Größe auf
  • Stütze deine Hände in deine Hüften

c. Lächeln wirkt Wunder

Vera F. Birkenbihl erklärt im Video wie das Lächeln zur Ausschüttung von Glückshormonen führt und Du Dich gleich besser fühlst.

AUCH DAS GEHT VORÜBER.6. Inspirationen und Übungen zu Frustrationstoleranz

a. Akzeptieren heißt nicht resignieren

  1. Wenn Dich eine Situation ärgert schätze ab wie viel emotionale Energie sie Dich kostet. Nutze dazu eine Skala von 1 bis 10.
  2. Wie viel besser würdest Du Dich ohne das Ärgernis fühlen?
  3. Nimm eine Beobachterperspektive ein und versuche die Situation ohne Bewertung zu beschreiben. Wenn Du selbst emotional zu involviert bist, frage jemanden, der nicht direkt betroffen ist.
  4. Übernehme die Beobachterperspektive für Dich: Wie viel emotionale Energie kostet die Situation jetzt noch auf der Skala von 1 bis 10?
  5. Übe Dich in dieser Beobachterperspektive immer wenn Du an die Situation denkst.

Übungsfeld dafür kann z.B. Ärger mit dem Nachbarn oder die tägliche Fahrt zur Arbeit sein.

b. Unbequeme Situationen aushalten

  • Stell Dir die Frage: Was müsste ich denken oder tun um eine Situation besser zu ertragen und ruhig zu bleiben? Ich habe gelernt, den „Atommüll“ in den Zimmern meiner Kinder in Grenzen zu akzeptieren und spare uns allen damit viel Ärger, Zeit und Energie.
  • Achte auf Deine Sprache: Die Wortwahl ist eine einfache Methode Gefühle zu beeinflussen: Es macht einen großen Unterschied ob Du eine Situation als „schlimm“ und „unerträglich“ bezeichnest oder als „unangenehm“ oder „bedauerlich“.
  • Den Blick auf Deine langfristige Zufriedenheit zu richten relativiert die kleinen Ärgernisse des Alltags.

7. Inspirationen zu realistischem Optimismus

Meiner Meinung kann man Optimismus üben. Eine positive Einstellung lässt mich einfacher durchs Leben fließen, denn Probleme interpretiere ich nicht gleich als persönliche Angriffe gegen mich.

Der Ton macht die Musik

Ich bemühe mich um eine positive Sprache seit mir klar ist welche großen Auswirkungen das auf meinen Alltag hat.

Unser innerer Monolog versorgt uns mit ca. 50.000 Gedanken pro Tag. Hör Dir bewusst an, was Du alles vor Dich hin murmelst. Wie oft machst Du Dich fertig? Ein wenig Achtsamkeit hilft schon den Automatismus negativer Sprache zu durchbrechen.

Ich pflege keinen Kontakt mehr zu Freunden, die gebetsmühlenartig über ihr hartes Los klagen, aber nie versuchen, etwas zu verändern. Sie können gerne ohne mich Opfer sein.

8. Inspirationen und Übungen zu Flexibilität

a. Mach täglich etwas anders als sonst

Nimm einen anderen Weg zur Arbeit oder frühstücke mit ungewohnter Musik. Ich ziehe manchmal zwei verschiedene Socken an und erinnere mich so daran, etwas anders zu machen. So kann Flexibilität auch zur Routine werden.

Das ist eine sehr gute Übung um zu lernen, die eigene Realität bewusst zu erschaffen: Beobachte Dich: Was ändert sich in Deiner Energie und in Deiner Umgebung? Gefällt Dir das?

b. Ein Plan B

Jeder, der Kinder hat, kennt das: Sie zwingen uns oft flexibel zu sein. Wir planen etwas und dann kommt das Leben dazwischen und schon müssen wir umdisponieren. Ein Plan B kann da hilfreich sein.

c. Die Technik der 6 verschiedenen Denk-Hüte von De Bono:

Verschiedene Sichtweisen führen zu unterschiedlichen Lösungen. Setze Dir nacheinander folgende Hüte auf und finde Argumente:

  1. Weißer Hut: Neutralität
  2. Roter Hut: Subjektive Meinung
  3. Schwarzer Hut: Objektiv negative Aspekte
  4. Gelber Hut: Objektiv positive Aspekte
  5. Grüner Hut: Kreativität
  6. Blau: ordnendes Denken: Überblick

d. Durch gezielte Fragen zu mehr Lösungen

Eine gute Methode, um systematisch ein Thema von vielen Seiten zu beleuchten:

  1. Problemstellung: So viele Fragen aufschreiben, wie Dir einfallen und keine streichen.
  2. Sortiere die Fragen in Gruppen und Untergruppen
  3. Finde Antworten zu den einzelnen Gruppen. Welche Lösungen hast Du gefunden?

e. Offen für Anregungen von außen sein

Das funktioniert am besten, wenn Du konstruktive Kritik nicht persönlich nimmst sondern eher als Bereicherung ansiehst.

Dadurch kannst Du mehr Handlungsalternativen zu sehen und flexibler werden. Du hast immer Wahlmöglichkeiten. Du musst sie nur wahrnehmen können.

Welche Inspirationen und Übungen passen zu Dir?

Ich will mit diesem Artikel Deine Aufmerksamkeit auf Dein psychisches Immunsystem und die vielen Möglichkeiten für dessen Training zu lenken. Wenn Du bis hierhin gelesen hast, ist mir das gelungen. Ich hoffe, Du nimmst Einiges für Dich mit.

Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Hauptanliegen meiner Arbeit als Heilpraktikerin und ich finde es toll, dass mein Blog mich darin unterstützt.

Wenn Du weitere Tipps kennst, die Dir weiterhelfen, immer her damit!

 

Bilder: Pixabay

© Inge Schumacher

Resilienz: Was uns stark macht

Resilienz ist ein wichtiger Teil unserer psychischen Grundausstattung. Ohne sie wären wir vermutlich längst ausgestorben. Spannend finde ich, dass wir lernen können was uns persönlich stark macht und damit gerüstet sind für die Höhen und Tiefen des Lebens.

Was bedeutet Resilienz?

Die Fähigkeit schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu überstehen.

Der Begriff Resilienz kommt aus den Ingenieurwissenschaften und bezeichnet die Fähigkeit eines Materials in seine Ausgangsform zurückzugehen (z. B. Gummi) oder ein System, das selbst bei einem Teilausfall noch funktioniert.

Wir sehnen uns alle nach innerer Widerstandsfähigkeit. Die Helden vieler beliebter Märchen und Geschichten sind nicht umsonst Beispiele für Resilienz:

  • Das vernachlässigte Aschenputtel besiegt das Böse und erobert den Prinzen
  • Der Waise Oliver Twist überlebt in den Slums und findet eine neue Familie
  • Pippi Langstrumpf behauptet sich ohne Eltern in der Welt
  • In Emil und die Detektive nimmt es ein Junge mit Dieben auf
  • Harry Potter, ein unterdrückter Vollwaise, wird zum Retter

Viele Menschen haben Schreckliches erlebt. Einige zerbrechen daran und andere nicht. Woran liegt das?

Flüchtlinge erzählen mir haarsträubende Fluchtgeschichten. In meiner Praxis darf ich Menschen unterstützen, die große Schwierigkeiten überwunden haben und ihr Leben trotzdem meistern.

Beispiele bekannter resilienter Persönlichkeiten:

  • Bill Clintons Stiefvater war ein gewalttätiger Alkoholiker.
  • Ray Charles, ein blinder Vollwaise aus den Südstaaten, begründete den Soul und wurde ein weltbekannter Musiker.
  • Arnold Schwarzenegger, ein Hauptschüler, aufgewachsen mit einem prügelnden Vater in der Steiermark, wurde ein bekannter Schauspieler und Gouverneur von Kalifornien.
  • Hans-Olaf Henkel, langjähriger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, verlor den Vater im Krieg und verbrachte Zeit in Kinderheimen weil er seine Mutter überforderte.
  • Gerhard Schröder wuchs als Halbwaise auf. Der im Krieg gefallene Vater arbeitete als Kirmesarbeiter. Nach sieben Jahren Volksschule wurde er Lehrling in einem Eisenwarengeschäft. 37 Jahre später war er Bundeskanzler.

Warum haben sie es geschafft?

Sie alle haben Eigenschaften, die sie seelisch stabilisieren wie

  • Selbstvertrauen
  • Den Willen, das eigene Leben zu gestalten
  • Die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen
  • Die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen
  • Lust an der Herausforderung
  • Ziele, die das Leben sinnvoll machen

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hoffnungslose Situationen kaum gibt, solange man sie nicht als solche akzeptiert“, sagte Willy Brandt. Er hat Krieg, Verfolgung und Armut erlebt und war Bundeskanzler, SPD-Vorsitzender und Friedensnobelpreisträger.

Wie resilient bist Du? Am Ende des Artikels findest Du Links zu Online Tests.

 

Resilienz ist unser seelisches Immunsystem

Wir alle besitzen ein psychisches Immunsystem. Unsere Resilienz hilft uns Stress, Druck und Rückschläge besser zu bewältigen.

Basis des heutigen Resilienz-Begriffs sind die Langzeit-Untersuchungen eines gesamten Geburtsjahrgangs (1955) auf der hawaiianischen Insel Kauai der Entwicklungspsychologin Emmy Werner. 30% dieser Kinder wuchsen unter extrem schweren Lebensbedingungen auf. Aber nur zwei Drittel von ihnen zeigten auffällige Lern- und Verhaltensstörungen während der Schulzeit und hatten Probleme danach.

Werner untersuchte warum das so war und hat folgende unterstützende Faktoren gefunden:

  • Eine enge emotionale Beziehung zu mindestens einem Familienmitglied gab ein Gefühl von Zuverlässigkeit und Sicherheit.
  • Das eigene freundliche und offene Verhalten ermöglichte das Erleben von Akzeptanz und Respekt von anderen Menschen.
  • Diese Kinder hatten Unterstützung in der erweiterten Familie, der Schule oder in der Nachbarschaft. Menschen, die sie zu Selbstständigkeit, Vertrauen und Initiative ermutigten.
  • Sie erlebten sich als fähig, ihre Probleme selbst zu lösen (Selbstwirksamkeit).

Wir bringen die Basis für unsere psychische Stabilität aus der Kindheit mit. Bedeutet das, dass unser Resilienzniveau seitdem fest zementiert ist? Keineswegs. Unser Immunsystem lässt sich zum Glück trainieren.

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Wie können wir unsere Resilienz stärken?

Um unser psychisches Immunsystem effizient zu stärken, müssen wir uns so gut wie möglich kennen. Dann können wir gezielter unsere Resilienzfaktoren aufbauen.

Resilienzfaktoren sind Eigenschaften, die uns innere Stärke verleihen, z. B.:

  • Realistisches Selbstbild
  • Selbstwirksamkeit
  • Frustrationstoleranz
  • Zuversicht und realistischer Optimismus
  • Flexibilität
  • Unterstützungsnetzwerke

1. Realistisches Selbstbild

Mein Selbstbild ist die Vorstellung, die ich von mir habe. Sie besteht aus meiner Selbstwahrnehmung und dem Fremdbild, das ich von außen gespiegelt bekomme. Es umfasst den Blick auf:

  • Körper
  • Talente, Fähigkeiten, Kenntnisse
  • Beziehungen, Freundschaften
  • Bedürfnisse, Interessen
  • Wünsche, Ziele
  • Werte

Wer ein realistisches Selbstbild hat, der ist mit seinen Stärken und Schwächen vertraut und hat sie weitgehend akzeptiert. Das gibt Selbstvertrauen im Umgang mit der Umwelt.

Wir können so Situationen besser einschätzen und achtsam mit unseren Ressourcen umgehen. Es stärkt auch unseren klaren Blick auf andere.

2. Selbstwirksamkeit

ist der Glaube an die eigene Kompetenz. Ich weiß, dass ich meine Realität  durch mein Handeln verändern kann und habe mir bewiesen, dass ich mit den Widrigkeiten des Lebens klar komme. Wenn ich an mich glaube, komme ich schneller ins Handeln und halte auch länger durch.

Selbstwirksamkeit basiert auf vielen positiven Erfahrungen.

Was habt Ihr bisher alles in Eurem Leben hinbekommen? Nehmt Euch eine halbe Stunde Zeit und schreibt eine Liste. Ihr werdet über Euch selbst staunen. Wir sind es so gewohnt  auf unser Scheitern zu schauen, dass wir uns unserer Erfolge oft zu wenig bewusst sind.

3. Frustrationstoleranz

Wie gehe ich mit Enttäuschungen, also der Nichterfüllung meiner Wünsche, um?

Die Frustrationstoleranz meines 9-jährigen Sohnes ist niedrig, wenn er Hunger hat und sein momentanes Lieblingsessen – Gulasch – nicht zur Verfügung steht. Er bekommt dann schon mal einen Wutanfall, der natürlich auch kein Gulasch herzaubert.

Wir lernen als Kinder, dass wir nicht immer das bekommen, was wir wollen. Unsere Eltern begleiten uns idealerweise dabei und zeigen uns Wege, mit Enttäuschungen umzugehen.

Merkmale geringer Frustrationstoleranz

  • Nach Misserfolgen schnell aufgeben
  • Unangenehmes aufschieben
  • Resignation: Ich fühle mich als Opfer
  • Aggressionen nach außen oder nach innen (->Depressionen)
  • Unflexibel: Dinge müssen so gemacht werden und nicht anders
  • Ungerechtigkeit ist nicht aushaltbar

Merkmale hoher Frustrationstoleranz

  • Akzeptanz, dass negative Gefühle aushalten sich für manche Ziele lohnt
  • Andere sollen mich gut behandeln, trotzdem toleriere ich manchmal das Gegenteil
  • Ich fühle mich meinen Emotionen nicht ausgeliefert: Das sorgt für ausgeglichene Stimmung
  • Distanz zu einer Situation schaffen: Sie ist unangenehm aber nicht lebensbedrohend
  • Ungerechtigkeit finde ich nicht gut, kann sie aber akzeptieren

4. Zuversicht und realistischer Optimismus

Zuversicht geht für mich einher mit Vertrauen und Zufriedenheit. Wenn ich zuversichtlich bin, bin ich ziemlich sicher, dass eine Situation gut für mich ausgeht.

Leider werden Pessimisten in unserer Welt eher als seriös und realistisch angesehen.

Optimisten gelten dagegen als weichgespülte Schönredner. Dabei haben es realistische Optimisten leichter, weil sie an ihre Selbstwirksamkeit glauben: Wenn das Glas für mich halbvoll statt halbleer ist, erschaffe ich mir positiven Rückenwind.

Optimismus hat auch andere Nebenwirkungen: Er wirkt sich positiv auf unseren Körper aus: Optimisten spüren weniger Schmerzen und erholen sich schneller von Operationen. Ihre Immunabwehr funktioniert besser.

Wichtig ist – wie überall – die Balance zu wahren und nicht ins Extrem zu gehen. Blinder Optimismus hilft nicht weiter.

5. Flexibilität

Veränderungen werden von unserem natürlichen Sicherheitsbedürfnis als gefährlich eingestuft. Leider besteht das Leben aus stetiger Veränderung und je besser wir damit umgehen können, desto einfacher wird es für uns. Wir verschwenden dann weniger Energie an Dinge, die wir nicht ändern können.

Das bedeutet nicht, dass wir jubeln, wenn die Kita plötzlich schließt oder wir wegen etwas Unvorhersehbarem unseren gesamten Tagesablauf umstrukturieren müssen.

Flexibilität bedeutet Biegsamkeit. Ein Baum, der sich im Sturm biegt, braucht ein starkes Wurzelwerk. Helfen kann uns in solchen Situationen flexibles Denken und das lässt sich trainieren.

Mach z. B. täglich etwas anders als Du es gewohnt bist. Ich ziehe z.B. manchmal zwei verschiedene Socken an und erinnere mich so daran, in anderen Bahnen zu denken. Das hilft, das neuronale Netzwerk im Gehirn zu erweitern, mehr Handlungsalternativen zu sehen und dadurch flexibler zu werden. Wir haben immer verschiedene Wahlmöglichkeiten. Wir müssen nur offen für sie sein.

6. Unterstützungsnetzwerke

Darunter verstehe ich soziale Netzwerke, bei denen der Austausch von Geld zweitrangig ist. Neben der Familie gibt es eine Vielfalt an staatlichen, lokalen und privaten Unterstützungsmöglichkeiten.

Zuerst muss ich überzeugt davon sein, Unterstützung zu verdienen. Dann muss ich mir klar darüber werden, was genau ich brauche und wo ich es finden kann.

Ein soziales Netzwerk bringt Sicherheit und hilft, schwierige Lebenssituationen zu meistern und die Lebensqualität aller Beteiligten zu steigern. Wir müssen nicht alles alleine stemmen. Folgende Fragen können helfen:

  • Was habe ich bereits an Unterstützung?
  • Auf wen kann ich mich verlassen?
  • Wo sehe ich Defizite und brauche mehr Unterstützung und wie erreiche ich das?

Eltern, besonders Alleinerziehende, könnten meiner Meinung nach viel mehr Unterstützung gebrauchen. Deswegen bin ich jetzt Patin für eine alleinerziehende Flüchtlingsmutter.

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Eine genetische Disposition hilft unserer Resilienz

Manche Menschen haben in Sachen Resilienz einen eingebauten Vorteil: Sie besitzen ein sogenanntes Resilienz-Gen: Die lange Variante eines Serotonintransporters (nach Moffit und Caspi).

Das bedeutet nicht automatisch, dass sie ihr psychisches Immunsystem nicht trainieren brauchen. Denn heutzutage weiß man durch die Epigenetik, dass wir während unseres Lebens unser Erbgut laufend verändern. Durch traumatische Ereignisse kann die Resilienz auch bei den stabilsten Persönlichkeiten verloren gehen. Resilienz ist dynamisch.

Es gibt leider kein Abo für Resilienz.

Wir straucheln alle ab und zu. Aber Leid, Rückschläge und Verzweiflung beeinträchtigten uns nicht so stark, wenn wir immer wieder unsere Resilienz stärken.

Für Kinder ist der allergrößte Schutz, den wir ihnen fürs Leben mitgeben können eine gute Bindung. Schon eine einzige gute Bindung macht Kinder so stark, dass sie viele andere gefährdende Umstände wettmacht.

Es ist gut für unser psychisches Immunsystem, wenn wir uns regelmäßig kleinen Herausforderungen stellen. Denn wir brauchen die Erfahrung, dass wir Situationen erfolgreich meistern können immer wieder. Das füllt unseren Resilienzspeicher auf und macht uns stark für die Herausforderungen des Lebens.

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Möchtest Du mit mir arbeiten? Ich schenke Dir eine halbstündiges Kennenlerngespräch, in dem wir feststellen, wie ich Dich am besten unterstützen kann.

Einen Blumenstrauß an Inspirationen und Übungen zur Stärkung Deiner Resilienz findest Du hier.

 

Anhang

Planet Wissen Resilienz (2018) Was die Seele stark macht

Spiegelartikel 2009: Die Kraft der Widerständigen

Resilienztests

 

Bilder: Privat und Pixabay

© Inge Schumacher