Das Geheimnis einer wundervollen Partnerschaft II

Partnerschaften sind die großen Herausforderungen unseres Lebens. Wir haben durch sie die Chance gemeinsam den Weg zu uns zu finden.

Dies ist die Fortsetzung des letzten Blogartikels. Ihr lest hier was passiert, wenn wir uns auf die Stärken des Anderen konzentrieren und warum Vergebung so wichtig ist. Außerdem schauen wir uns an warum Trennung eine Chance ist und wie verfahrene Partner-Situationen entspannt werden können.

1. Das Geheimnis der Anziehung

Wir fühlen uns beim Kennenlernen oft angezogen von Eigenschaften, die wir selbst brauchen.

Interessanterweise sind das oft genau die Eigenschaften, die uns später beim Anderen stören. Warum? Weil sie uns immer noch fehlen. Leider ist uns das meist nicht bewusst. Wir merken nur, dass uns etwas fehlt und machen dann unseren Partner dafür verantwortlich. Schaut Euch die Punkte an, die Euch bei Eurem Partner echt nerven und dann überlegt in welcher Form Euch eine Prise davon gut täte!

Beispiel

Ich werfe meinem Mann immer noch ab und zu seine Abgrenzungsfähigkeit vor; seine Leichtigkeit, den eigenen Weg zu verfolgen. Dann fühle ich mich als Opfer, weil ich gerade den ganzen Kleinkram organisiere und die Familie am Laufen halte, aber viel lieber etwas Anderes täte. Eine meiner Lernaufgaben war das bewusste Wahrnehmen dieser Bedürfnisse. Jetzt bitte ich frühzeitig um Hilfe, damit ich die nötige Zeit bekomme für die Dinge, die mir wichtig sind.

2. Ich kenne meine Werte

und damit auch meine Bedürfnisse. Ich lebe meine Werte: Meine Familie ist mir wichtig. Ich schätze es, die Kleinigkeiten des Alltags mit ihr zu teilen.

Außerdem liebe ich es in meiner Praxis Menschen auf Ihrem Weg zu unterstützen. Ich brauche Ansprechpartner außerhalb der Familie und bekomme dadurch wertvollen Input: Dazulernen macht mir viel Freude. Ich engagiere mich als Mentorin, weil ich ein Zeichen für Integration setzen möchte. Das alles balanciere ich aus, indem ich so bewusst und achtsam wie möglich durch meinen Alltag gehe.

Partnerschaft ist keine Einbahnstraße

Mein Mann unterstützt mich sehr auf meinen eigenen Weg. Für ihn ist das selbstverständlich. Als ich das endlich verstanden hatte, war ich überrascht. Ich hatte lange den Glaubenssatz, dass ich es nicht wert bin unterstützt zu werden. Ohne einander wären wir beide heute nicht da wo wir sind.

IMG_20190311_091059

3. Die Stärken des Anderen wahrnehmen

Ich hatte viel höhere Ansprüche an meinen Mann als an andere Menschen. Er machte mich vor langer Zeit darauf aufmerksam. Das war mir bis dahin nicht bewusst. Das kam daher, dass er mir so nahe war und daher bitte auch perfekt zu sein hatte. Schwächen waren nicht erlaubt.

Meine Stärke

Ich kann mir unendlich viele Kleinigkeiten merken. Das scheint eine Folge meiner Hochsensibilität zu sein. Für meine Arbeit ist das ein großes Plus. Meine Klienten staunen oft, was ich nach Jahren noch alles an Details weiß.

Ich ging leider davon aus, dass mein Mann das auch kann. Ich wurde früher sehr ungeduldig, wenn ich dasselbe mehrmals erzählen musste, weil ich sein Desinteresse  dafür verantwortlich machte. Seine vermeintliche Schwäche hat sich also als meine Stärke entpuppt.

Seine Stärke

Mittlerweile habe ich von meinem Mann viel über das Abgrenzen gelernt. Er ist auf seine Art zugänglich für unsere Kinder. Er kann z.B. viel besser mit extremen Emotionen wie Heulkrämpfen und Wutausbrüchen umgehen als ich. Das ist eine Stärke von ihm, die mich entlastet.

Ich schicke ihn oft zu Lehrergesprächen, denn er hat ein sehr feines Gefühl für Menschen entwickelt und kann gut schwierige Situationen klären.

Beispiel Lernentwicklungsgespräch:

Die Klassenlehrerin meiner Großen hat sie sehr ungerecht behandelt. Sie bekam viel schlechtere Noten für die gleichen Leistungen als ihre Mitschüler. Meine Tochter entwickelte einen Hass auf diese Frau.

Mein Mann kam von diesem Lernentwicklungsgespräch mit einer interessanten Erkenntnis nach Hause. Er meinte, dass die Lehrerin meine Tochter sehr schätzte. Ihr großer Gerechtigkeitssinn machte leider Überstunden und sie beurteilte sie deswegen deutlich schlechter als andere Schüler, um sie ja nicht zu bevorzugen. Der Lehrerin war das sicher nicht bewusst. Meine Tochter konnte aufgrund dieser Info viel besser mit der Lehrerin umgehen und gab nicht mehr so viel Kontra, so dass sich ihre Noten besserten.

Überraschung: Ich entdecke immer mehr Stärken

Seit ich mich mehr auf die Stärken meines Partners konzentriere entdecke ich immer mehr davon. Das hat natürlich mit meiner Wahrnehmung zu tun. Ich finde, wir brauchen alle eine „Stärken-Brille“ im Umgang miteinander, dann fällt uns das Zusammenleben viel leichter.

4. Lernaufgabe: Mit Gefühlen umgehen

Ich war früher ein unberechenbarer Vulkan. Wenn ich explodierte verletzte ich mich auch selbst, was ich lange nicht verstanden habe. Ich musste lernen zu fühlen was ausgedrückt werden wollte; und das bitte sozialverträglich.

Für mich war das vor 30 Jahren unmöglich. Ich hatte so viel von mir verbuddelt, dass ich außer dem Gefühl: Das tut so weh, das will ich nicht! keine Ahnung hatte was wirklich mit mir los war, wenn es aus mir herausbrach.

Der Lernprozess hat lange gedauert. Zuerst habe ich gelernt, dass es sich lohnt hinzusehen, wenn ich explodiere. Meist ging es um Kleinigkeiten, die sich langsam anstauten und der äußere Anlass rechtfertigte dann die heftige Reaktion nicht. Ich lernte hinzusehen, was wirklich dahinter steckte und fand viele alte Verletzungen und Glaubenssätze über die ich immer wieder stolperte bis ich sie endlich wahrnahm.

Mein Mann sagt, er hat durch mich gelernt seine Gefühle deutlich eher auszudrücken und leichter loszulassen.

5. Klar kommunizieren: Was brauche ich von Dir?

Partner reden durchschnittlich 10 Minuten pro Tag miteinander. Diese 10 Minuten sind meist mit Organisatorischem gefüllt: Einkauf , Essen, Termine. Das reicht nicht für die Beziehungspflege. Sie braucht einen ehrlichen offenen Austausch und der kostet Zeit. Hier gilt es Prioritäten zu setzen.

Früher glaubte ich: Du bist doch mein Partner. Du musst das doch wissen! Wissenstransfer per Telepathie funktionierte leider nicht.

Meine Prioritäten sind oft andere als die meines Mannes. Erst wenn ich ihm mitteile, was mir wichtig ist, gebe ich ihm die Möglichkeit zu reagieren und mich zu unterstützen.

Butter bei die Fische: Was will ich?

Klare Ansagen zu machen ist immer noch eine Herausforderung für mich. Erstens muss ich mir klar darüber werden was genau ich brauche und zweitens macht mich das verwundbar: Meine Bitte könnte abgelehnt werden.

Heute bitte ich viel schneller um Unterstützung und beziehe auch die Kinder mit ein. Ein Indikator für mich ist, wenn ich anfange mich gestresst zu fühlen. Dann erkläre ich die Situation und bitte um Ideen. Ich habe gelernt, dass ich ernst genommen werde und wir oft kreative Lösungsmöglichkeiten finden, die allen Spaß machen.

6. Vergebung

In jeder Partnerschaft gibt es Machtkämpfe, Verurteilungen und Schmerz. Im Laufe der Zeit kann sich so ein großer Berg von Verletzungen ansammeln. Ohne Vergebung verstellt dieser Müllberg irgendwann den Blick auf einander. Dann hat die Beziehung keine Zukunft mehr.

Muss das sein?

Leider scheinen wir eine masochistische Ader zu haben und alten Schmerz immer wieder gerne hervorzuholen, um in diesen starken miesen Gefühlen zu baden. Wir haben ein Recht auf unseren Zorn, aber haben wir wirklich Lust dazu, uns immer wieder schlecht zu fühlen? Wir haben auch das Recht uns nicht mehr mit der Vergangenheit zu quälen.

Schmerz, den wir dauerhaft empfinden macht uns krank

Wir finden ihn dann in unseren Körpern wieder: Z.B. als Stresssymptome wie Rückenschmerzen oder Schlaflosigkeit. Durch Vergebung können wir uns heilen. Das bedeutet nichts anderes als Loslassen und das ist manchmal leichter gesagt als getan:

  1. Trauer: Emotionale Schmerzen müssen erst einmal wahrgenommen und angemessen betrauert werden. Verdrängung ist nicht gut, dann gären die Verletzungen im Untergrund weiter.
  2. Vergeben braucht einen Wechsel des Standpunkts: Wir bleiben nicht im Außen beim Anderen, sondern schauen auf uns und räumen bei uns auf: Wir sind dann keine Opfer mehr.

IMG_20190408_105134

Echte Vergebung hat nichts mit Großzügigkeit oder hoher Moral zu tun. Es ist eine großangelegte Entrümpelungsaktion in unseren Herzen, die sich für alle Beteiligten lohnt.

7. Trennung

Eine Freundin von mir hat sich vor kurzem nach über 20 Ehejahren getrennt. Ihr Mann hatte die Beziehungspflege ihr alleine überlassen und irgendwann war das Ungleichgewicht so groß, dass es nicht mehr passte. Die Beiden sind im Guten auseinander gegangen, auch weil meine Freundin ihn nie schlecht gemacht hat und dankbar für die gemeinsame Zeit sein kann.

Eine Trennung ist eine große Lern-Chance

Wir tun plötzlich Dinge, die wir uns vorher nicht erlaubt haben und entwickeln uns so weiter. Auch haben wir mehr Raum und Zeit für unsere eigene Heilung. Die Trennung sorgt eine Zeitlang dafür, dass wir bekommen, was uns fehlte bevor uns das Leben unsere Themen wieder vorsetzt.

Viele Trennungen kosten unendlich viel Energie

weil bis aufs Messer gekämpft wird. Es ist dann wegen des Schmerzes fast unmöglich den eigenen inneren Frieden wiederzufinden und dem Ex-Partner zu vergeben.

Wir sind dann in einem Teufelskreis gefangen: Der Ex-Partner verhält sich rücksichtslos. Unser Schmerz wächst und wir verurteilen und verachten ihn immer mehr. Wir können ihn aber nicht ändern. Das macht es schwer, die Chance der Trennung zu nutzen und die eigenen Unzulänglichkeiten, die uns der Partner spiegelt, lieben zu lernen.

Das Problem ist, dass wir etwas von dem wir uns lösen wollen zuerst annehmen müssen. Nur, wenn wir nichts mehr von unserem Ex-Partner brauchen sind wir frei für neue Beziehungen.

IMG_20190408_104946

8. Wie wir blockierte Partner-Situationen entspannen können

Als Expertin für Unsichtbares empfehle ich in festgefahrenen Situationen die Energie zu verändern, um den Teufelskreis zu unterbrechen. Das Geniale daran ist, dass wir dazu nur uns selbst brauchen.

Es geht darum unser Herz sprechen zu lassen, denn das setzt große positive Kräfte frei. Wir erreichen auf diese Weise uns und andere Menschen über die Energieebene und allen Beteiligten geht es danach besser. Das ist dasselbe Prinzip wie bei der Brücke der Sympathie.

Übung: Metta Meditation

Eine gute Möglichkeit für die Entspannung von zwischenmenschlichen Situationen ist die bekannte Metta Meditation. Hier habe ich die Metta Meditation genau erklärt.

  • Mögest Du glücklich sein.
  • Mögest Du Dich sicher und geborgen fühlen.
  • Mögest Du gesund sein.
  • Mögest Du unbeschwert leben.

Schicke täglich zuerst für Dir und dann Deinem (Ex)Partner diese guten Wünsche. Halte das 3 Wochen lang durch. Schicke Dir und dem Anderen so aus tiefstem Herzen positive Energie. Beobachte, wie gut Dir selbst diese Fürsorge tut. Statt Schmerz und Vorwürfen sendest Du nun Akzeptanz und Frieden in die Welt. Das wirkt auch beim Anderen Wunder!

Übung: Fürbitten

Die Fürbitten, die in vielen Gottesdiensten ihren festen Platz haben, wirken genauso kraftvoll, wenn sie von Herzen kommen. Ich ermutige meine Klienten oft dazu für andere zu bitten, wenn sie sich in schwierigen zwischenmenschlichen Situationen machtlos fühlen.

9. Unsere Partnerschaften brauchen dringend Entlastung!

Sie können nicht für unser gesamtes persönliches Glück verantwortlich sein. Das ist nicht ihre Aufgabe. Sie können aber der Dünger für unsere eigene Entwicklung sein.

Arbeit an uns selbst heilt auch die Partnerschaft

Zum Glück haben mein Mann und ich uns von Anfang an mit unserer persönlichen Entwicklung beschäftigt. Ich weiß noch, wie mein Mann 1992 sagte: Dieses Seminar sollten wir gemeinsam besuchen, damit wir auf dem gleichen Stand sind.

Wir haben uns in den 30 Jahren sehr verändert und damit auch unsere Partnerschaft: Wir arbeiten mittlerweile in anderen Berufen und sind beide selbstständig. Wir haben etliche Schwierigkeiten gemeistert und uns eint immer noch der Wille, gemeinsam durch das Leben zu gehen.

Ostsee
Unser Picknick im Februar 2016 an der Ostsee

Wir brauchen die Freiheit uns immer wieder neu füreinander zu entscheiden.

10. Balance in der Partnerschaft

Leider können wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, denn eine Partnerschaft  verändert sich genauso wie die daran Beteiligten. Funktionierende Strategien müssen deshalb ständig angepasst werden.

Du brauchst nicht alles für mich zu sein

In einer erfüllten Beziehung machen wir uns sehr verletzlich, aber wir geben uns damit auch die einzigartige Chance zu uns zu finden und eine wundervolle Partnerschaft aufzubauen.

 

Literatur:

  • „Halt mich fest“ von Susan M. Johnson: Bindung als integraler Bestandteil unseres Lebens
  • Eva-Maria Zurhorst: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest
  • Chuck Spezzano hat viele gute Bücher über Partnerschaft geschrieben. Ich lese gerade Partnerschaft und spirituelles Leben.

 

Links

Geheimnis der idealen Beziehung: You tube Interview von Veit Linau und seiner Frau, in dem sie über Probleme sprechen.

Anleitung zur Metta Meditation

 

Bilder: Privat

© Inge Schumacher

 

Werbeanzeigen

Das Geheimnis einer wundervollen Partnerschaft

Partnerschaft ist für uns alle ein wichtiges Thema. Wir kennen die damit verbundenen Höhen und Tiefen. Es ist ein spannendes Abenteuer.

ist die Arbeit an uns selbst.

Mein eigener Weg, meine 30-jährige Beziehungserfahrung und intensives Literaturstudium kommen zu diesem Schluss. Ihr könnt jetzt also aufhören zu lesen.

Wer weiter liest, bekommt fundierte Anregungen zum Nachdenken über sich und seine Beziehungserfahrungen – praktische Beispiele inklusive.

1. Tiefe emotionale Bindungen sind wichtige  Grundlagen unseres Lebens

Wir alle sind mit wenigen Menschen eng verbunden. Der Drang enge emotionale Bindungen herzustellen ist in unseren Genen verankert. Genauso wie Babys und Kinder brauchen auch wir Erwachsene mindestens eine gute Bindung um uns wohlzufühlen. Die sichere Verbundenheit in einer gesunden Partnerschaft kann eine große Kraftquelle für beide Partner sein.

Eine gute Partnerschaft hält gesund

Menschen in einer guten Paarbeziehung haben weniger Herzinfarkte, niedrigeren Blutdruck und weniger Stresshormone im Blut. Ihre Immun- und Hormonsysteme funktionieren besser und sie sind ausgeglichener als andere. Es lohnt sich also in vieler Hinsicht in seine Partnerschaft zu investieren.

Unser Partner ist unsere Zuflucht. Wenn wir keinen emotionalen Zugang zu ihm bekommen, fühlen wir uns einsam und hilflos. Wir können sogar existenzielle Angst bekommen, wenn dieses Sicherheitsgefühl wegfällt. Das erklärt auch, warum Krisen und Konflikte so starke Emotionen bei uns hervorrufen. Das ist eine ganz normale Reaktion. Seit mir das klar ist, kann ich viel besser damit umgehen.

522747_502273999808505_818775056_n
1992 im Yosemite Nationalpark

2. Meine persönliche Paar-Geschichte

Ich kenne meinen Mann seit 30 Jahren. Ich war 23 und er 25 als wir uns kennenlernten. Ich wusste weder wer ich war noch, was ich vom Leben wollte. Ich kannte weder meine Stärken noch den Sinn meines Lebens. Ich hatte kaum über mich selbst nachgedacht. Im Gegensatz zu ihm. Er hatte schon deutlich mehr über sich reflektiert und das faszinierte mich.

Wir sind sehr verschieden: Mein Mann ist eher introvertiert, ich extrovertiert. Ich interessiere mich für alles um mich herum. Er ist fokussiert auf weniger Interessen. Struktur ist mein 2. Vorname; seiner ist Otto-Heinz (wirklich!). Unsere Basis sind unsere Wertvorstellungen.

Der gemeinsame Weg war und ist nicht einfach. Wir haben 3 Kinder und schon etliche brenzlige Situationen überstanden. Wie haben wir es bis heute miteinander ausgehalten? Wir haben uns nach und nach ein Instrumentarium zur Pflege unserer Partnerschaft erarbeitet. Es war hilfreich, dass jeder von uns an sich selbst arbeitet.

3. Das Märchen vom idealen Partner

In den Medien, in Romanen und Filmen wird uns vorgegaukelt, dass der ideale Lebenspartner das ewige Glück auf Wolke 7 bedeutet. Der ideale Partner ist der tollste Mensch: Er sieht aus wie ein Model, ist hochintelligent und wohlhabend. Er gibt einem alles, was einem fehlt.

Wir fühlen uns beim Kennenlernen oft angezogen von Eigenschaften, die wir gerne hätten und deswegen bewundern.

Nach der Verliebtheit

wird es spannend. Die Masken fallen und da wo Annahme und Heilung stattfinden könnte beginnt leider oft eine wortlose Leere. Wir bemerken, dass wir nicht bekommen was wir wollen und verstummen dann enttäuscht.

Wir haben nur dann Liebe und Akzeptanz für den Anderen wenn er genau das tut, was wir brauchen. Sonst fühlen wir uns als arme Opfer.

Was für eine verrückte Idee!

Weil wir unsere eigenen Verletzungen nicht erkennen geben wir unserem Partner die Schuld an einem Defizit, das nur wir selbst beseitigen können: Wir geben dem Anderen die Verantwortung dafür unsere Mängel zu beseitigen.

4. Wir bringen alle Verletzungen mit

Wir alle gehen auf irgendeine Art und Weise traumatisiert in eine Partnerschaft. Das Leben hat uns kleine und große Verletzungen mitgegeben. Viele von uns schleppen Traumata aufgrund von Ablehnung mit sich herum. Das sind unsere wunden Punkte, auf die wir sehr sensibel reagieren.

Beispiel: Mein automatischer Rückzug

Wenn es mir emotional sehr schlecht ging, habe ich total zugemacht. Das habe ich als Überlebensstrategie aus meiner Ursprungsfamilie mitgenommen: Ich habe gelernt, mich nicht verletzlich zu zeigen, wenn ich schwach war. Denn dann wurde ich noch mehr verletzt.

Es dauerte lange bis ich verstanden hatte, was für einen Mechanismus ich da etabliert hatte und warum. Mein Mann hat mich zwar immer wieder darauf aufmerksam gemacht aber ich habe es nicht verstanden. In meiner Wirklichkeit habe ich ihn vor mir geschützt. Ihm tat es weh, wenn ich ihn ausschloss. Meine Reaktion trennte uns und wir waren dann beide einsam.

Erst als mir wirklich bewusst war, was ich tat und warum, konnte ich dieses Verhalten ändern. Ich habe so langsam gelernt, dass ich bei ihm sicher bin.

Besonders schwierig haben es Menschen, die sich von Anfang an nicht gewollt fühlen, weil sie schlimmstenfalls bereits im Mutterleib einen Abtreibungsversuch überlebt haben. Wachsen sie dann noch nicht geliebt und nicht beschützt auf, haben sie es besonders schwer:

 

IMG_20190311_091125

Diese Menschen mussten ihre Identität aufgegeben um möglichst unauffällig zu sein. Sie waren gewohnt alle Gefühle bei sich zu behalten. Sie hatten keine Möglichkeit zu lernen wie man mit Gefühlen umgeht, außer sie auf keinen Fall rauszulassen, um nicht verlassen zu werden.

Diese Menschen brauchen viel Resilienz, um solche schwierigen Familienverhältnisse zu überstehen. Sie bringen denkbar schwierige Voraussetzungen dafür mit eine erfüllende Partnerschaft aufzubauen.

5. Partnerschaft ist kein Tauschhandel

Viele Partnerschaften starten mit Tauschhandel, meine auch. Ich erwartete, meine Bedürfnisse von meinem Partner erfüllt zu bekommen. Das Problem ist: Wenn beide etwas brauchen und es nicht bekommen, dann fühlen sich beide betrogen und enttäuscht.

Ich hatte die Erwartung, das Liebesdefizit aus meiner Kindheit von meinem Partner ausgeglichen zu bekommen und mich dann nicht mehr so einsam zu fühlen. Es war ein langer Lernprozess bis ich begriffen habe, dass dafür nicht mein Mann, sondern ich selbst zuständig bin.

Die Theorie ist einfach: Wie kann ich erwarten, dass ein Anderer mich versteht und liebt, wenn ich es selbst nicht tue?

Was in unseren Beziehungen vor sich geht ist Ausdruck unserer Beziehung zu uns selbst.

Leider gibt es niemanden auf der Welt außer uns selbst, der uns Zufriedenheit geben und uns von unserem Schmerz befreien kann.  Eine liebevolle Beziehung gibt den Rückhalt für diese wichtige Arbeit an uns selbst.

Eine schwierige Lernaufgabe:

Der Schmerz, den wir in der Partnerschaft spüren ist die Einladung an uns genau hinzusehen. So lange ein Thema nicht von uns bearbeitet ist, erinnert uns unsere Umgebung immer wieder daran. So lange bis wir etwas tun.

Sei Du das von dem Du im Leben mehr haben möchtest. Möchtest Du mehr Liebe, Freiheit und Vertrauen, dann gehe in Vorlage, denn Mangeldenken erzeugt mehr Mangel.

6. Der ideale Partner

unterstützt Dich auf Deinem Weg zu Dir selbst: Er bringt Dich aus Deiner Komfortzone, indem er Dich auffordert zu wachsen. Er ist Dein Spiegel. Nutze ihn! Der ideale Partner

  • Sieht Dich und Dein Potential
  • Bringt Dich dazu hinzuschauen
  • Fordert Dich auf zu wachsen
  • Triggert Dich da wo Du an Dir zweifelst und Heilung brauchst
  • Macht Dich auf alte Muster aufmerksam
  • Will, dass du du selbst bist

Das bedeutet nicht, dass Dein Partner Dein Coach ist. Im Gegenteil, Du musst Dein eigener Coach sein. Du hast immer allein die Verantwortung für Dich. Das bedeutet nicht, dass Du den Weg immer alleine gehen musst. Sich Hilfe holen ist erwünscht. Das war ein großer Teil meiner persönlichen Lernaufgabe.

Kinder sind Bonus-Spiegel

Die Erfahrung mit meinen Kindern ist, dass auch sie mir gerne einen Spiegel vorhalten. Meine Kinder pieken oft genau dahin wo meine wunden Punkte sind. Wenn es bei mir Aua macht, denke ich: Bingo: Voll ins Schwarze getroffen! Und ja, natürlich verdrehe ich dabei manchmal die Augen!

7. Der Weg zu uns selbst ist auch der Weg zum Partner

Bedeutet das, dass ich nicht fähig bin, eine gute Beziehung zu haben, wenn ich noch nicht bei mir angekommen bin?

Nein! Ich bin ein gutes Beispiel dafür, den langen Weg zu sich selbst in einer Partnerschaft zu gehen.

Wenn wir unser Beziehungsglück finden wollen brauchen wir den Willen

  • uns selbst besser kennenzulernen
  • uns zu öffnen für Entwicklung und Erweiterung
  • uns unsere Schmerzen anzusehen
  • die Einsamkeit zu ertragen, die mit innerem Wachstum verbunden sein kann

Denn: Dein wichtigster Lebenspartner bist Du selbst. Das ist die engste Beziehung in Deinem Leben. Pflege sie. Es lohnt sich!

Ziel Deiner persönlichen Entwicklung sollte sein

  • Dich selber zu spüren
  • Immer wieder Kontakt zu Dir aufzunehmen
  • Deinen Körper zu fühlen und mit ihm eins zu werden
  • Eigene Gefühle zuzulassen
  • Gesunde Autonomie aufzubauen

Keine Garantien

Es gibt leider keine Garantien, ob eine Partnerschaft klappt. Die gibt es auch nicht, wenn ich an mir und für sie arbeite. Es war sehr befreiend für mich, das Bild vom „Es muss ewig halten“ loszulassen.

Jeder muss seine eigene Wurzeln bilden, die ihm Halt geben und ihn mit Nährstoffen versorgen.

IMG_20190311_091146

8. Konflikte in Partnerschaften

Zwischenmenschliche Begegnungen sind immer auch energetische Prozesse. Wir hören etwas und reagieren auf die dahinterliegenden Botschaften, also die Art und Weise wie etwas gesagt wird. Da wir uns als Partner nahe sind, entwickeln wir sehr feine Antennen füreinander.

Ein vorwurfsvoller Tonfall treibt den Partner z. B. schnell in eine Verteidigungshaltung und kann einen Streit provozieren:

Wenn sich zwei verwundete Kinder streiten, die beide Recht haben wollen, dann können Konflikte nicht zu Lösungen führen. Wir drehen uns dann in einem Teufelskreis aus Vorwürfen und Entgegnungen, Angriff und Rückzug und fügen uns gegenseitig Verletzungen zu.

Ein Beispiel für kreative Konfliktlösung: Mein 21. Hochzeitstag

Ein halbes Jahr vor unserem 20. Hochzeitstag fragte ich meinen Mann, ob wir etwas Schönes zu zweit unternehmen wollten. Ich bekam einsilbige Antworten. An anderen Jahrestagen sind wir essen gegangen oder haben gar nichts gemacht und das war OK. Nach 3 Monaten gab ich genervt auf und er hat den Hochzeitstag dann auch tatsächlich vergessen. Ich war tief verletzt.

Ich war so verletzt, dass ich ihn erst Monate später in einem ruhigen Moment fragen konnte, was bei ihm los war. Er erklärte mir, dass er es hasst, etwas tun zu müssen nur weil das von ihm erwartet wird. Das weiß ich natürlich. Er hat sich so sehr über die Erwartung geärgert, den 20. Hochzeitstag besonders zu begehen, dass er erst recht keine Lust hatte. Leider hat er versäumt, das zu kommunizieren.

Mein Experiment: Ich feierte allein

Für mich war klar: Das möchte ich nicht noch einmal erleben. So habe ich beschlossen, den nächsten Hochzeitstag von jeglicher Erwartung meinerseits zu befreien. Ich habe ihn sehr bewusst von der ersten bis zur letzten Minute begangen – alleine. Den ganzen Tag habe ich die Zeit mit meinem Liebsten Revue passieren lassen und es kamen sehr viele positive Gefühle hoch. Das Experiment war ein voller Erfolg, was mich sehr überrascht hat.

Was ist passiert?

Ich habe eine Win-Win Situation geschaffen. Ich habe mich befreit von den Erwartungen an meinen Mann. Ich war dadurch kein Opfer mehr, sondern Erschafferin. Mein Mann hat auch profitiert, denn er bekam von mir nur positives Feedback.

Mein Glaubenssatz besagte bis dahin, dass man einen Hochzeitstag nur zu zweit feiern kann. Wie falsch das war habe ich mir bewiesen. Diese Erfahrung hat mich darin bestärkt, weiter kreative Problemlösungen zu suchen und auszuprobieren.

9. Kommunikation ist das Allerwichtigste

Egal was passiert, wenn wir offene Kommunikationskanäle haben, dann finden wir immer wieder zueinander. Wichtig ist, dass beide Partner im Konfliktfall ihr Gesicht wahren können.

Unterschiedliche Streitkulturen

Ich war von zu Hause das Herumschreien bei Konflikten gewöhnt. Wirkliche Konfliktlösung, die zu mir passt, habe ich nicht gelernt.

Früher wurde ich in Konflikten laut und mein Mann verstummte – oft für etliche Tage oder sogar Wochen. Diese Reaktion hatte er aus seiner Ursprungsfamilie mitgebracht. Unsere unausgegorene Streitkultur hat es uns in der Anfangszeit unserer Beziehung schwer gemacht.

Beziehungs-Meetings

Mit der Zeit haben wir eine akzeptierende Gesprächskultur entwickelt. Wenn wir richtig große Probleme bearbeiten vereinbaren wir einmal die Woche einen Termin von einer Stunde. Wir reden auf Augenhöhe und jeder darf ausreden.

Ohne die jahrelange Arbeit an uns selbst hätten wir es nicht bis hierhin gebracht. Dafür sind wir beide dankbar.

Habt Ihr Tipps, die sich in Eurer Beziehung bewährt haben? Bitte in die Kommentare, denn wir können alle voneinander lernen.

Im nächsten Blogartikel könnt Ihr mehr über die Geheimnisse einer wunderbaren Partnerschaft lesen.

Literatur:

  • „Halt mich fest“ von Susan M. Johnson: Bindung als integraler Bestandteil unseres Lebens
  • Eva-Maria Zurhorst: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest
  • Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation
  • Franz Ruppert: Wir in einer traumatisierten Gesellschaft

 

Bilder: Privat

© Inge Schumacher