Kinder und Schule, was ist los?

Wenn Du ein Kind hast, dann habe ich diesen Artikel für Dich geschrieben. Stellst Du auch fest, dass Dein Kind den Status Quo ständig hinterfragt? Dass es sich querstellt in Situationen, die wir nie in Frage gestellt hätten? Ich habe mir darüber gründlich Gedanken gemacht.

An unseren Kindern sehe ich wie viel sich verändert

Sie verweigern Vieles was für uns selbstverständlich war.

  • Essen was auf dem Tisch steht? Keine Chance.
  • Gesunde Ernährung vormachen? Vergebens.
  • Kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen, Aufräumen, Hausaufgaben.
  • Alles und Jedes muss verhandelt und erklärt werden.

Was ist da los? Machen wir etwas falsch?

Im Gegenteil. Wir machen sehr viel richtig.

Erstens nehmen wir unsere Kinder als vollwertige Menschen wahr. Deswegen erlauben wir ihnen mitzuentscheiden. Das war früher nicht so. Über meine Generation wurde bestimmt.

Zweitens arbeiten viele von uns an sich selbst. Wir haben das nötig, weil wir er-zogen wurden um dem gesellschaftlichen Idealbild zu entsprechen. Dadurch haben wir viele Glaubenssätze und Verhaltensweisen gelernt, die nicht zu uns passen. Sie hindern uns sogar daran uns weiterzuentwickeln. Die wollen angeschaut und losgelassen werden.

Ob Du es glaubst oder nicht, unsere Kinder helfen uns dabei uns weiterzuentwickeln. Sie weisen uns gnadenlos auf die Dinge hin, die wir uns anschauen sollen. Ich sehe das als riesengroße Chance für uns Eltern.

Einschulung 1990

Was ist los mit unseren Kindern?

Unsere nach dem Jahr 2000 geborenen Kinder wachsen in einer anderen Zeit auf. Sie ist nicht nur geprägt von Digitalisierung und Klimakatastrophe. Sie ist gekennzeichnet durch eine Veränderung der Spielregeln.

Der Shift

Wir alle haben beschlossen, auf der subjektiven Ebene, einen entscheidenden Entwicklungsschritt zu tun. Bisher nutzen wir nur einen kleinen Teil unserer Fähigkeiten. Intuitiv wissen wir, dass da viel mehr ist. Wir verändern uns und unsere Realität, damit wir mehr davon nutzen können.  

Wir werden uns bewusster was wir sind . Als Energie-Expertin sehe ich an meinen Klienten, dass wir so viel mehr sind als wir im Spiegel sehen können.

Wir sind dabei zu lernen:

Kinder der neuen Zeit

Mein Jüngster weiß intuitiv, dass er ein mächtiges Wesen ist, und die Entscheidungsgewalt über sein Leben hat. Das macht das Leben mit ihm nicht einfacher.

Das Problem ist, dass unsere Strukturen noch aus dem alten System stammen. Unsere Kinder aber schon auf das neue, uns noch unbekannte, ausgerichtet sind. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Immer mehr Kinder tun sich mit unseren Strukturen schwer. Besonders deutlich wird das in der Schule.

Kinder und Schule passen nicht mehr zusammen

Erlebt habe ich das mit meinem Jüngsten. In der ersten Klasse war ein sehr auffälliger Junge, der mutwillig zerstört und gestört hat. Von in Schuhe pinkeln bis Kleber in fremden Schulranzen verteilen war alles dabei.

Daneben gab es 6 Kinder, Jungen wie Mädchen, die gemacht haben was sie wollten. Keine Strafen halfen. Wenn von 22 Kindern 7 sich nichts sagen lassen, dann ist kein sinnvoller Unterricht möglich.

Nach einigen Monaten, in denen die arme Lehrerin allein gelassen wurde bin ich, wie viele andere, zum Direktor gegangen. Ich hatte noch nie um ein Gespräch gebeten und hoffte, das würde den Ernst der Lage dokumentieren. Mein Anliegen war, dass sich die Schule Hilfe holt.

In Hamburg sind die Schulen nach einem Sozialindex (KESS) kategorisiert. Nach dieser Einstufung berechnet sich die Anzahl der Lehr- und Unterstützungskräfte pro Schüler und die Klassengröße. Eine sehr sinnvolle Idee um für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen.

Problematisch wird es, wenn die sozio-ökonomischen Daten keinen Rückschluss mehr auf den wirklichen Unterstützungsbedarf in den Schulen zulassen.

Wir wohnen in einer gutsituierten Gegend. Unsere Grundschule hat also wenige Unterstützungsmöglichkeiten für Problemklassen. Die müsste der Schulleiter anfordern was jede Menge Aufwand bedeutet. Eine Schulbegleitung für das schwierige Kind wäre sehr hilfreich gewesen.

Leider passierte nichts. Die Eltern nahmen das auffällige Kind von der Schule. Von den anderen Störenfrieden gingen ein paar am Ende des Schuljahres. Dazu nahmen noch andere Eltern ihre Kinder aus der Schule. Das Problem wurde ausgesessen.

Dies war die erste Klasse, die solche Probleme hatte. Ich ahnte damals schon, dass viele weitere folgen würden. Ich hatte nur keine Ahnung wie schnell das gehen könnte.

Seither gibt es in unserer Grundschule noch mehr schwierige Klassen. Die Schule und unser Schulsystem sind darauf nicht vorbereitet. Gute und motivierte Lehrerinnen und Lehrer werden so gnadenlos verheizt.

Unsere Kinder stellen das Schul-System infrage

Unsere Kinder zeigen uns, dass sie nicht ins alte System passen, in dem sie immer mehr in die Verweigerung gehen.

Irgendwie müssen aber auch diese Kinder lesen und schreiben lernen. Wie das genau gehen soll weiß ich nicht. Ich habe aber ein paar Ideen.

Die einzige Motivation, die bei meinem Sohn zieht ist die intrinsische. Also die aus sich selbst heraus. Er macht das gerne, was er spannend findet. Wir werden also um eine Individualisierung des Lernens nicht herum kommen.

Digitalisierung erleichtert Individualisierung

Corona hat für einen längst überfälligen Digitalisierungsschub in den Schulen gesorgt. Tablets sind leider noch zu wenige in den Klassen zu finden.

Mein Sohn hat Glück gehabt. Er ist in der einzigen Tablet-Klasse seiner Stadteilschule. Zu Verdanken ist das der Initiative seines Klassenlehrers. Der Schulleiter hat ihm freie Hand gegeben aber kein Geld.

Wofür fragten wir Eltern auf dem Elternabend, ist denn der Digitalisierungspakt da? Damals wurde bekannt, dass die Gelder nicht abgerufen wurden.

Nach fast einem Jahr haben alle Kinder ein I-Pad. Durch die Initiative des Lehrers hat es irgendwie geklappt, wie bleibt sein Geheimnis.

Zukunftsmusik

Vielleicht können künftig mit Videokursen repetitive Lehrinhalte vermittelt werden, so dass jeder individueller lernen kann. Die Lehrer unterstützen dann da wo es hakt. Die Idee habe ich von der gemeinnützigen Khan Academy, die kostenlos Videos mit verschiedensten Lerninhalten anbietet.

Kommunikation mit unseren Kindern ist das Wichtigste

Mein Jüngster lässt sich nur schwer motivieren etwas zu machen, was er nicht will. Ich überlege mir genau wie ich meine Prioritäten setze: Schule steht da ganz vorne. Die Zahnregulierung verweigert er. Da warte ich bis er selbst darauf kommt, dass das eine gute Idee ist.

Ich spiegele ihm was ich nicht okay finde. Ich mache ihm immer wieder klar, dass er wichtig für mich ist und dass ich ihn liebe. Was unsere Kommunikation aufrecht erhält ist die kontinuierliche Akzeptanz die ich ausstrahle. Diese Akzeptanz auszustrahlen ist nicht einfach. Ich muss sie mir immer wieder bewusst erkämpfen.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass er seinen Weg machen wird. Aber definitiv nicht so wie ich es mir vorstelle!

Das Schulsystem verändern

Meine 17-jährige Tochter kommentierte das Ende des Homeschoolings so: Mir hat diese Zeit noch klarer gemacht, was für einen Schwachsinn wir lernen müssen. Recht hat sie.

Wir sind die staatstragende Generation. So lange wir nichts ändern, werden unsere Kinder uns immer deutlicher darauf hinweisen, dass es Handlungsbedarf gibt. Corona hat zwar Einiges verändert. Ich habe leider das Gefühl, dass es noch viel schlimmer kommen muss, damit endlich mehr passiert.

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Bilder: Privat und Pixabay

©Inge Schumacher