Lass uns Rabeneltern sein

Dieser Artikel gehört zur Blogparade „Und täglich grüßt die Rabenmutter“ von Marianne Rott, der Mama- und Kindflüsterin von Mia Anima. Danke, dass ich Dich bei diesem wichtigen Thema unterstützen darf.

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Das Wort Rabenmutter beziehe ich ausdrücklich auf beide Elternteile. Die Zeiten, in denen daheim bleibende Mütter allein die Erziehungsaufgaben schulterten sind zum Glück schon lange vorbei. In immer mehr Familien werden die anstehenden Aufgaben so verteilt, wie es am besten passt ohne auf althergebrachte Geschlechterrollen zu achten. Viele Alleinerziehende beiderlei Geschlechts meistern außerdem ihren Alltag mit Kindern ohne Partner.

Ich möchte hiermit allen Eltern Mut machen erstens das zu tun, was sie zufrieden macht und zweitens gut auf sich zu achten. Ich nehme Dich dabei mit auf meine persönliche Reise durch das unendliche Lernpotential des Elterndaseins. Ich habe drei Kinder, die 17, 14 und 8 Jahre alt sind. Ich arbeite als Heilpraktikerin und Life-Coach.

 

Den Ausdruck Rabenmutter gibt es immer noch!

Erstaunlich, dass dieser uralte Ausdruck heute noch verwendet wird. Nach Wikipedia ist das eine deutsche Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort Eltern herabwürdigt, die ihre Kinder vernachlässigen. Der Begriff wird besonders für berufstätige Menschen verwendet, die sich angeblich ungenügend um ihre Kinder kümmern.

Wie so oft sieht die Realität anders aus: Junge Raben verlassen das Nest zwar aus eigenem Antrieb bevor sie fliegen können, werden aber weiterhin von ihren Eltern beschützt und gefüttert. Rabeneltern vernachlässigen ihre Jungen also keineswegs.

Wann werden wir Rabeneltern genannt oder fühlen uns so?

Meine Erfahrung ist, dass ich dann kritisiert werde, wenn ich unsicher bin. Diese Unsicherheit strahle ich aus und lade damit sozusagen Kritik ein: Die Außenwelt spiegelt meine innere Unsicherheit wider.

In solchen Situationen ruhe ich nicht in mir selbst. Vielleicht war ich müde und kaputt, weil die Nacht schlecht war. Oder ich arbeite eine lange Liste an Aufgaben ausgerechnet dann ab, wenn es mir nicht gut geht. Das hat dann zur Folge, dass alle Beteiligten gestresst sind und ich ein schlechtes Gewissen habe.

Wenn Du mit dem Begriff Rabenmutter oder -vater belegt wirst, dann versuche herauszufinden welchen Anteil Du selbst daran hast. Warst Du unsicher und wenn ja warum? Oder hattest Du das Pech gerade da zu sein als jemand Dampf ablassen wollte? Meine Erfahrung zeigt: Je mehr Du hinter dem stehst was Du tust, desto weniger wirst Du unaufgeforderte externe Kritik hören.

 

A: Mangelnde Zufriedenheit: Warum fällt es uns manchmal so schwer zu uns zu stehen?

Dazu greife ich drei mögliche Ursachen auf:

  • Unsere Rollenvorstellungen
  • Kennen wir uns und unsere Wünsche wirklich?
  • Die Macht der Ausstrahlung

1. Alte Rollenbilder

a. Trenne Dich von unpassenden Idealbildern

Ich hatte früher sehr rigide Idealbilder vom Mutter sein, Ehefrau sein, berufstätig sein, Freundin sein, Tochter sein, etc. Viele davon habe ich im Laufe der Zeit über Bord geworfen: Denn den Idealbildern und Werten zu entsprechen, die ich vielleicht schon das ganze Leben mit mir herum getragen habe und die mir nicht entsprachen verursachte viel unnötigen Druck.

b. Mehr Eigenverantwortlichkeit bedeutet für mich mehr Freiheit

Seit ich diesen unpassenden Idealen den Rücken gekehrt habe, bin ich deutlich lockerer in Bezug auf meine Familie und auch mit mir geworden. Das macht mich im Alltag offener für neue Wege, die ich früher gar nicht gesehen hätte. Mir ist nach und nach bewusst geworden wie sehr ich mich selbst begrenzt habe.

Mit der Zeit habe ich herausgefunden was mir entspricht: Es liegt mir mehrere Standbeine zu haben: Heilpraktikerin mit eigener Praxis zu sein und Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen, 3 Kinder und ein erfülltes Familienleben zu haben und mich auch noch freiwillig in unserer Erstaufnahmeeinrichtung als Deutschlehrerin zu engagieren. Mein persönliches Wellnessprogramm ist Isländisch-Unterricht.

2. Was will ich?

Jeder muss seinen eigenen Weg finden und feststellen was ihn begeistert. Wenn wir uns dessen bewusst sind was uns liegt und was nicht, haben wir es einfacher den Alltag nach unseren Vorlieben zu gestalten und damit stressfreier zu machen.

Meine Erfahrung zeigt: Ist mein Alltag gut auf mich zugeschnitten, dann bin ich in meinem Flow und damit sehr effizient und schaffe mir Freiräume. Das macht mich zufrieden und meine Familie auch.

3. Was macht Dich zufrieden?

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Mein unzufriedener Sohn mit 6 Wochen

Um herauszubekommen was Dich wirklich zufrieden macht, solltest Du Dich gut kennen und regelmäßig mit Dir selber kommunizieren. Dann bekommst Du einfacher heraus, was Du wirklich willst. Hier ein paar Tipps:

a. Was läuft gut?

Hilfreich ist es, ab und zu eine Bestandsaufnahme Deiner jetzigen Situation zu machen. Wie viel von dem was Dich zufrieden macht, hast Du jetzt schon in Deinem Leben? Die Kinder, der Partner, die Wohnung…Für uns ist das alles meist so selbstverständlich, dass wir es nicht genug würdigen.

Ich versuche mir jeden Tag klar zu machen, wie viel von dem was ich liebe ich bereits leben darf und wie viele Menschen, die mir gut tun, um mich sind.

b. Was fehlt Dir momentan?

Auf diese Frage reagieren wir oft automatisch: Mehr Zeit, mehr Geld… dann schauen wir auf unsere Situation und fühlen uns hilflos. Wir brauchen Geld, um ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch zu haben, das stimmt. Wir tauschen unsere Zeit gegen Geld. Wir vergessen aber, dass es für jeden von uns viele verschiedene Möglichkeiten gibt, das zu erreichen. Dafür müssen wir aber raus aus der Opferrolle und unser Leben aktiv in die Hand nehmen.

Es ist wichtig zu hinterfragen warum wir etwas tun und was unsere Motivation dabei ist.

c. Gefühle weisen Dir den Weg

Um herauszufinden, was wirklich zufrieden macht, geben Deine Gefühle Dir wichtige Hinweise. So kannst Du beliebige Teile Deines Alltags unter die Lupe nehmen:

  • Stell Dir vor, etwas nicht mehr oder anders zu tun und achte dabei auf Deine Gefühle.
  • Schau Dir eine Situation in Deiner Arbeit, bei der Kinderbetreuung oder in einer Freundschaft an.

Wenn Du negative Gefühle wahrnimmst, merke Dir wo diese auftauchen und geh diesen nach. Stell Dir Alternativen vor und fühle in sie hinein. Warum fühle ich mich unwohl und was kann ich an der Situation ändern? Besprich das auch mit Freunden oder dem Partner.

Ich habe auf diese Weise schon einige kreative Lösungen für meinen Alltag gefunden.

 

4. Die Macht Deiner Ausstrahlung:

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Eine ganz andere Ausstrahlung als oben!

a. Wenn Du überzeugt von etwas bist, strahlst Du das aus und das hat Folgen

Meine Kinder haben mir die wichtigsten Lektionen zum Thema Ausstrahlung erteilt. Eines wollte weder Brei noch etwas anderes essen, so dass sich das Abstillen hinzog. Nach 15 Monaten konnte und wollte ich nicht mehr. Ich besprach mit meinem Mann, dass das Stillen für mich endgültig vorbei war. Wir scheinen das sehr klar ausgestrahlt zu haben, denn innerhalb von 2 Wochen wollte dieses Kind nicht mehr gestillt werden! Ich war sehr überrascht, hatte ich doch mit viel mehr Problemen gerechnet.

Diese Erkenntnis lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Hier ein Beispiel aus meiner Praxis:

b. Der Weglass-Test

Eine Klientin von mir war unglücklich damit, sich als Lehrerin von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Sie fragte mich, was sie tun sollte um einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Ich habe sie gefragt, ob sie wirklich liebt, was sie macht. Um da ganz sicher zu gehen sollte sie sich vor ihre Klasse stellen und sich ausmalen wie es für sie wäre sie nicht mehr zu unterrichten. Dabei sollte sie genau auf ihre Gefühle achten.

Nach diesem Test war sie ganz sicher, dass sie dort weiter unterrichten wollte. Ich riet ihr diese Sicherheit bewusst jeden Tag auszustrahlen: „Ich will hier bleiben“. Neun Monate danach hatte sie ihre Festanstellung.

c. Du hast Priorität

Spätestens wenn Chaos droht, was in Familien nicht zu vermeiden ist, bist Du gezwungen Prioritäten zu setzen.

Ich möchte Dir sehr ans Herz legen, dass Du die oberste Priorität hast. Nicht die Kinder oder der Partner sind das Wichtigste in Deinem Leben sondern Du. Nur Du bist in der Lage Dir selbst die Macht über Dein Leben zu geben.

Wie lebst Du dieses „Ich bin wichtig“ im Alltag? Mit Hilfe Deiner Ausstrahlung! Das klappt leider nur, wenn Du selbst voll davon überzeugt bist, dass Du Priorität hast und das braucht Übung.

 

B. Achte bitte gut auf Dich!

1. Überforderung macht krank

Ich habe sehr lange gebraucht bis ich gelernt habe, dass ich an erster Stelle stehen muss. Auch die Erkenntnis dass ich nur dann genug Kraft habe, um meiner Familie gerecht zu werden hat sich erst langsam durchgesetzt. Wenn ich zu oft über meine Grenzen gehe, werde ich krank. Der Körper verordnet mir dann sozusagen eine Zwangspause. Heute merke ich Überforderungsanzeichen viel früher und nehme Druck raus. Dadurch bin ich viel weniger krank.

Wer dauernd über seine Grenzen geht, landet im Burn-out und kann für niemanden mehr da sein. Das sehe ich oft genug in meiner Praxis.

2. Keine faulen Kompromisse sondern Kooperationen

Ich versuche im Alltag immer weniger Kompromisse zu machen und gehe dafür lieber Kooperationen ein: Bei Kompromissen verlieren beide Seiten, bei Kooperationen gewinnen beide. Das bedeutet keineswegs, dass ich egoistischer geworden bin. Ich bin mir nur bewusster warum ich etwas tue.

Ich engagiere mich immer noch freiwillig und tue viel für andere. Ich weiß aber, dass ich das tue weil es mich zufrieden macht. Ich versuche auch hier auf meine Grenzen zu achten.

Kurze individuelle Auszeiten von Familie und Beruf je nach Bedarf sollten Bestandteil jeden Alltags sein und sind ein gutes Feld um Kooperationen zu üben. Der Papa, der nach dem Fußballspiel locker und voller Energie nach Hause kommt, kann viel mehr Trotzgeheule oder Chaos ertragen als der gestresste. Das gilt natürlich genauso für die Mama, die sich eine kurze Auszeit gegönnt hat.

3. Ein positives Umfeld

Wir Eltern, egal ob berufstätig oder nicht brauchen Unterstützung. Wenn Du Dich in Deinem Alltag umsiehst, wirst Du hoffentlich schon viel Positives in dieser Hinsicht finden:

Die Tagesmütter, Kindergartenerzieher und Lehrer, die mit Dir an einem Strang ziehen und sich mit Dir über die Entwicklung Eurer Kinder freuen. Oder die Freunde, die auch mal kurzfristig für Dich da sind.

4. Unterstützung finden und nutzen

Das Umfeld ist das Sicherheitsnetz das uns im Ernstfall trägt und uns ermöglicht das zu machen wofür wir brennen. Dieses Netz basiert idealerweise auf Kooperationen und nicht auf faulen Kompromissen. Besonders Alleinerziehende brauchen viel Unterstützung. Die Organisation des Netzes verschlingt erst einmal viel Zeit und Energie. Das lohnt sich aber für alle Beteiligten, wie ich aus meinem persönlichen Umfeld weiß.

Die Kinderbetreuung hat sich in den letzten Jahren in Deutschland zum Glück sehr verbessert. In unserer Grundschule gibt es seit einigen Jahren Mittagessen und Hortbetreuung. Mein Jüngster besucht an 3 Tagen in der Woche den Hort. Das genieße ich sehr. Ich würde meine Arbeit auch ohne diese Hortunterstützung schaffen. Das würde aber auf Kosten meiner Energie und meines persönlichen Freiraums gehen. Bin ich deswegen eine Rabenmutter? Gerne!

 

Rabeneltern-Fazit

Wir unterstützen unsere Kinder beim Flügge werden. Unsere Kinder müssen uns dazu nicht dauernd um sich haben. Was sie brauchen ist die Sicherheit, dass wir für sie da sind, wenn sie uns brauchen und dass wir sie ernst nehmen. Das können wir prima auch als aktive berufstätige Eltern. Ich finde sogar, dass unsere Kinder von uns als Vorbildern profitieren.

Wir haben als Eltern aber die Verantwortung auch gut für uns zu sorgen, damit wir für unsere Familien da sein können.

Wir brauchen viel mehr Rabeneltern die ihren Kindern vormachen, wie man ein erfülltes zufriedenes Leben führt. Lasst uns alle Rabeneltern sein!

 

Zur Blogparade:

Den Beitrag meiner Vorgängerin ist hier zu finden: Nicole Bailer. Nach mir schreibt Katja Kohlstedt einen Gastbeitrag auf Mia Anima.

Fotos: privat, Mia Anima

© Inge Schumacher

 

 

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Was Island mit Loslassen zu tun hat

Kurz vor dem Islandurlaub mit meiner Familie sah ich die Blogparade von tellyventure  zum Thema Loslassen. Das passte gut, denn Loslassen fällt mir in Island besonders leicht.

Beruflich  – ich bin Heilpraktikerin und auf geistiges Heilen spezialisiert – wie privat ist Loslassen für mich ein zentrales Thema. You can read this article in English here.

 

 

In Island weht der Wind Überflüssiges einfach weg

Jeder Mensch hat Orte an denen er sich besonders wohl fühlt. Der eine fühlt sich zu einer Insel im Mittelmeer hingezogen und der nächste ist ein totaler Südamerikafan. Zum kurzen Wiederaufladen fahren mein Mann und ich gerne von Hamburg aus an die Ostsee. 3 bis 4 Stunden am Meer sind für uns wie eine Woche Urlaub.

Island ist für meine Familie und mich ein besonderer Wohlfühlort. Hier können wir alle gut loslassen und auftanken. Die Klarheit und Weite der Landschaft unterstützt uns dabei: Einfach da sein genügt. Dieses Mal waren wir zwei Wochen im Norden von Island unterwegs.

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Wind am Eyjarfjörður

Loslassen ist eine andauernde Aufgabe für mich

Wie aktuell das Thema Loslassen ist, zeigte sich schon bei unserer Abreise am Flughafen.

Wir waren spät dran und suchten den Schalter zum Einchecken. Ich schaute meine große Tochter an, die in ihrer leichten Übergangsjacke hinter uns her rannte und mir entgleisten die Gesichtszüge. Sie hatte ihre Winterjacke nicht mit. O je! Es ist Ende April und wir fahren in ein Land, in dem es um diese Zeit noch schneit.

Schon war ich mittendrin im „Mama Worry Modus“. Zuerst habe ich mir die Schuld gegeben, nicht zum 3. Mal gecheckt zu haben, ob sie auch wirklich die richtige Jacke dabei hat. Bei allen anderen Familienmitgliedern habe ich das getan und sogar mit meinem Mann lange über die Vorzüge regenabweisender Kleidung verhandelt.

Erst im Flugzeug habe ich mich wieder beruhigt. Theoretisch weiß ich, dass ich nicht immer für alles in meiner 5-köpfigen Familie die Verantwortung übernehmen kann oder will. Wie man sieht arbeite ich noch an der praktischen Umsetzung.

Als wir am nächsten Tag feststellten, dass die mittlere Tochter die zu kleinen Winterschuhe vom Vorjahr eingepackt hatte, habe ich nur noch gelacht.

Das Jackenproblem der einen Tochter haben wir mit mehreren Schichten Pullovern gelöst. Zum Glück spielte das Wetter mit, so dass die Füße der zweiten Tochter zwar kalt, aber nicht durchweicht wurden.

Hier passt der oft zitierte isländische Spruch Þetta reddast! Das wird schon gut gehen!

Die Isländer sind ein ziemlich entspanntes Volk. Sie sind spontan und sehen Termine eher als lockere Verabredungen. Das sorgt manchmal für Schwierigkeiten z. B. in der Tourismusbranche. Ich weiß, dass deutsche Reiseunternehmen froh sind, wenn sie es auf der isländischen Seite mit zuverlässigen deutschen Auswanderern zu tun haben.

Wir durften in diesem Urlaub auch die positiven Auswirkungen dieser Lockerheit erleben als die Hilfe für unseren platten Reifen schon am selben Abend kam anstatt erst am nächsten Morgen, wie angekündigt. Unser freundlicher Retter meinte, ihm wäre gerade langweilig gewesen.

Die Isländer kochen zwar leckeren Kaffee und ein wenig Lockerheit schaue ich mir gerne bei ihnen ab. Ich halte sie aber nicht für die idealen Vorbilder für das Loslassen, denn die isländische Mentalität ist nicht wirklich kompatibel mit unserer.

 

Loslassen setzt Energien frei

Wenn wir Dinge loslassen, wird der Platz frei, den diese beanspruchen. Das gilt für Gegenstände genauso wie für nicht Materielles. Das bedeutet nicht nur, dass wir dann mehr Zeit haben, sondern dass wir wieder offen sind für Neues.

Ende 2016 habe ich die Zusammenarbeit mit meiner isländischen Freundin losgelassen. Wir haben seit 2013 zusammen Seminare für Frauen in den Westfjorden von Island angeboten. Als ich mit ihr darüber sprach, war sie froh, dass ich den ersten Schritt gemacht habe. Sie ist jetzt Mitte 60 und möchte es ruhiger angehen lassen.

Ich freue mich schon auf künftige Projekte in Island und lerne weiter Isländisch. In diesem Urlaub konnte ich schon kleine Gespräche mit Einheimischen führen.

Das Joint Venture hat mich anscheinend viel mehr Energie gekostet als mir bewusst war, denn plötzlich kam ich mit meinen Projekten viel schneller voran. 2017 habe ich zwei Blogs gestartet, den englischen über die Märchendimension und diesen hier über meine Arbeit als Heilpraktikerin und Themen aus der Persönlichkeitsentwicklung. Auch habe ich seitdem deutlich mehr nationale und internationale Klienten.

Der Islandurlaub ist für mich ein guter Anlass für eine gründliche Inventur. Abseits vom Alltag nehme ich mir die Zeit anzuschauen was ich momentan so mit mir herumtrage und was ich davon loslassen möchte. Im Alltag bin ich mir oft nicht bewusst was ich so alles festhalte.

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Mein 8-Jähriger mit Islandcap

Meine Kinder loszulassen fällt mir oft schwer

Meine älteste Tochter war sehr ängstlich. Beim ersten Gespräch im Kindergarten stellte ich zu meiner großen Erleichterung fest, dass die Erzieher mit mir am gleichen Strang zogen. Wir arbeiteten zusammen daran sie sanft an ihre Grenzen zu führen. So habe ich gelernt, wie hilfreich es ist, einen Teil der elterlichen Verantwortung abzugeben.

Eine andauernde Lernaufgabe ist für mich die Klassensituation meines Jüngsten. Er kam in eine chaotische 1. Klasse mit vielen schwierigen Kindern. Die Schulleitung war nicht in der Lage Abhilfe zu schaffen und ich hatte Sorge, dass mein ruhiges sensibles Kind unter die Räder kam. Zum Glück ging es meinem Sohn in dieser Klasse trotz allem gut, denn die Lehrerin hat es geschafft, ihm ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Sie konnte sich wegen der Klassensituation jedoch nicht so um seine Leseprobleme kümmern, deshalb unterstütze ich ihn, in Absprache mit ihr, so gut es geht zu Hause.

Mein Sohn hat in seiner Klasse wundervolle Freunde gefunden. Ich übe trotzdem immer noch meine Sorgen um ihn loszulassen.

 

Weg mit den inneren Begrenzungen!

Nur, wenn wir sehr aufmerksam sind gelingt es uns Dinge zu identifizieren, mit denen wir uns unbemerkt selbst begrenzen. Erst wenn wir sie kennen können wir sie loslassen.

Mir wurde das kurz vor meinem 50. Geburtstag klar. Mein Mann fragte mich, was ich am liebsten tun würde, denn ich hatte keine Lust auf eine große Feier. Am liebsten würde ich am Meer picknicken, antwortete ich. Im selben Moment als ich das sagte war da eine innere Stimme, die meinte, das ginge nicht. Im Februar sei es doch viel zu kalt an der Ostsee. Da spürte ich, dass ich auf eine total überflüssige innere Begrenzung gestoßen war. Ich war erschrocken über die Erkenntnis, dass ich mich anscheinend immer noch ständig selbst begrenze.

 

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Picknick an der Ostsee im Februar 2016

Mein Mann und ich haben also an meinem Geburtstag bei 4°C am Ostseestrand gepicknickt. Dieses Erlebnis habe ich zum Anlass genommen mein nächstes Lebensjahrzent unter das Motto „Weg mit meinen inneren Begrenzungen“ zu stellen. Seither achte ich viel mehr auf diese leise Stimme und überlege, ob und wann ich ihr folge. Ich habe seitdem schon viele kleinere und größere innere Begrenzungen identifiziert.

 

Loslassen in meiner Heilpraktiker-Praxis

Bei meiner Arbeit als geistige Heilerin ist Loslassen ein zentrales Thema. Ich helfe meinen Klienten zu verstehen was sie gerade festhalten und warum, damit sie es anschließend  loslassen können. Danach überlegen wir oft gemeinsam, wie alte Muster verändert werden können.

Kurz vor meinem Urlaub bekam ich einen Anruf von einer Klientin, die seit ihrer Behandlung bei mir sehr müde war. Ich konnte feststellen, dass nach der Behandlung   viele Dinge losgelassen hat, die ihr nicht mehr dienten. Warum machte sie das so müde?

Wenn wir Dinge loslassen auf die wir uns lange gestützt haben, fehlen sie uns erst einmal. Es ist so als ob wir aus dem Fundament unseres Hauses einige tragende Steine herausnehmen: Die ganze Konstruktion kann dann vorübergehend etwas instabil werden. Wir brauchen dann mehr Energie, um sowohl das Gleichgewicht zu halten als auch neue Steine einzufügen. Ich habe das schon selbst oft erlebt und man sollte dann gut auf sich aufzupassen und sich nicht überfordern.

Meine Klientin war also so müde, weil sie dabei war, Grundsätzliches loszulassen. Ich habe mich sehr über ihren Anruf gefreut, denn er zeigte mir, dass sie alleine weiter arbeitete. Sie ist auf dem Weg mehr zu dem Menschen zu werden, der sie sein möchte. Für mich gibt es nichts Schöneres als sie dabei zu begleiten.

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Regenbogen über dem Dettifoss

 

Unseren Autopiloten erkennen

Eingefahrene Gewohnheiten bewirken, dass wir nicht selbst steuern, sondern auf dem Beifahrersitz durch unser Leben gefahren werden. Dieser Autopilotenmodus bringt uns aber nicht unbedingt dahin wo wir hinwollen, sondern dahin wo wir früher hingefahren sind. Ein wenig mehr Bewusstsein im Alltag bringt sehr viel, um die alten eingefahrenen Spuren zu erkennen und neue Wege einzuschlagen. Ich finde dieses Thema so wichtig, dass ich hierzu einen eigenen Blogbeitrag geschrieben habe.

 

Humor hilft mir beim Loslassen

Was passiert, wenn wir lachen? Heftiges Lachen lockert unseren gesamten Körper. Nicht nur die Gesichtsmuskeln geraten in Bewegung sondern Verspannungen im Bauch und der Muskulatur lösen sich. Ärger und Verkrampfungen haben dann keine Chance mehr sich festzusetzen und wir können sie viel einfacher loslassen.

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Gerade in meinem Beruf ist Humor äußerst hilfreich. Mich selbst nicht allzu ernst zu nehmen erdet mich. Mein Humor hilft mir auch dabei, die subjektiven Eindrücke, die ich durch meine Energiearbeit bekomme kritisch zu hinterfragen. In meiner Praxis soll und darf also gerne gelacht werden.

 

Weniger Struktur gibt mir mehr Freiheit

Seit ich das erste Mal in Island war habe ich viel Grundsätzliches in meinem Leben verändert. Früher hat es mir Sicherheit gegeben viel zu planen; ich war die Königin der Listen. Mir ist nach und nach bewusst geworden, dass ich diese Strukturen nicht mehr so brauchte und wie sehr sie mich eingeschränkt haben. Ich sehnte mich nach mehr Kreativität und Spontanität in meinem Leben.

Heute nutze ich Listen und Strukturen bewusst, um meinen Alltag effizient zu gestalten und mir damit Freiräume zu schaffen, die ich mit Kreativität und Überraschungen füllen kann. Seitdem ich meine festen Strukturen gelockert habe, vergesse ich auch mal etwas, was früher sehr selten vorgekommen ist. Es fällt mir heute noch manchmal schwer das zu akzeptieren.

Ich lege meine Ziele jetzt nicht mehr detailliert fest und überlege auch nicht mehr dauernd wie ich sie am besten erreiche. Ich lebe viel mehr im Hier und Jetzt und überprüfe anhand meiner inneren Kompassnadel regelmäßig ob ich noch auf dem richtigen Weg bin.

Das bringt zwar mehr Unsicherheit mit sich, aber meine Lebensqualität hat sich dadurch deutlich erhöht. Ich mache heute auch im Alltag viel mehr das, was mir Spaß macht. Die Dinge, die meiner Meinung nach erledigt werden müssen mache ich auf eine Art und Weise, die mir mehr entspricht. Meine Familie unterstützt mich dabei.

Bevor ich ein aufwendiges Zeitmanagement implementiere ist es doch viel effizienter, die Prioritäten zu sortieren und Überflüssiges einfach wegzulassen.

Loslassen ist sehr befreiend und ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Energie das freisetzen kann. Eine regelmäßige Inventur und Bewertung der persönlichen Prioritäten empfehle ich daher jedem, idealerweise an einem Wohlfühlort.

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Fotos: privat

© Inge Schumacher

Osteopathie zum Anfassen

Diesen Artikel widme ich der von mir sehr geschätzten Therapie der Osteopathie. Ich bin Heilpraktikerin und habe mich auf geistiges Heilen, Fußreflexzonenmassage und Kinesio-Taping spezialisiert. Da ich selbst keine Expertin für Osteopathie bin, habe ich mir eine ins Boot geholt. Jeanette Gauster ist Osteopathin und im Vorstand der Osteopathen in Hamburg. Sie hat mir viele Fragen rund um diese Therapieform beantwortet und passt auf, dass ich hier sachlich richtig berichte. Das Interview mit ihr ist unter Punkt C. zu lesen.

 

1. Geschichte der Osteopathie

Der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still beschäftigte sich intensiv mit dem Bewegungsapparat, also mit Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen. Er war der Meinung, dass nur eine gute Beweglichkeit eine freie Versorgung von allen Teilen des Körpers gewährleisten kann.

Aus der Not heraus entwickelte er in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Osteopathie. Er lebte im amerikanischen Grenzland und erlebte täglich wie Menschen an Infektionen, Krankheiten oder im Kindbett starben: Drei seiner Kinder starben an Meningitis, eines an einer Lungenentzündung und seine Frau verlor er nach Geburtskomplikationen. Die damals existierenden Medikamente, die schwerste Nebenwirkungen hatten, lehnte er ab. Er beherrschte das manuelle Mobilisieren und Richten von Gelenken und entwickelte dies weiter.

Sein Ziel war es die gestörte Mobilität von Knochen, Gelenken, Faszien, Organen, Gefäßen und Nervenverläufen wieder herzustellen und dem Körpers dadurch die Selbstheilung zu erleichtern. Er stellte seine Form der Medizin, die Osteopathie, am 22. Juni 1874 zum ersten Mal öffentlich vor. Er gründete eine Schule und seither verbreitete sich die Osteopathie und entwickelte sich kontinuierlich weiter.

Praktiziert wird die Osteopathie mittlerweile in fast allen europäischen Ländern. In Deutschland wurde sie erst in den 1980´ern bekannter.

 

 2. Was ist Osteopathie?

Das Wort Osteopathie setzt sich aus den beiden griechischen Begriffen osteon (Knochen) und pathos (Leiden, Leidenschaft) zusammen. Osteopathie ist eine ganzheitliche Methode, die den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist betrachtet.

Die Osteopathie kümmert sich sowohl um die Beweglichkeit des gesamten Körpers als auch um die Eigenbewegungen einzelner Körperteile, Organe und Gewebe.

In unserem Körper sind alle Teile über die Faszien, das sind dünne Bindegewebshüllen, miteinander verbunden. Daher können Störungen in einem Teil des Körpers überall Auswirkungen haben. Schmerzen entstehen aufgrund von Funktionsstörungen. Wegen dieser Zusammenhänge behandelt ein Osteopath immer den gesamten Patienten.

Osteopathie konzentriert sich nicht nur auf den Bewegungsapparat sondern wirkt weit darüber hinaus. Sie ist daher eine Behandlungsmöglichkeit für sehr viele Beschwerden und ist wegen ihrer einfühlsamen und schmerzfreien Art besonders gut für Kinder und Säuglinge geeignet.

 

Baumstumpf

Meine eigenen Erfahrungen mit Osteopathie

Ich habe Osteopathie während der 2. Schwangerschaft durch meine Hebamme kennen gelernt. Meine erste Tochter ist in Beckenendlage geboren und die Hebamme empfahl mir Osteopathie, um eine 2. Beckenendlagengeburt eventuell zu vermeiden. Während der zweiten Schwangerschaft war ich also dreimal bei einem Osteopathen. Meine 2. Tochter lag zwar trotzdem in Beckenendlage, ich hatte aber während der Schwangerschaft überhaupt keine Rückenschmerzen, was sehr angenehm war. Inwieweit mir die Osteopathie bei der unproblematischen ambulanten Geburt geholfen hat, kann ich nicht beurteilen.

Einige Jahre später sagte meine Yogalehrerin zu mir: „Inge, du bist schief.“ Ich schaute in den Spiegel und sie hatte Recht: Eine Schulter stand deutlich tiefer als die andere. Daraufhin holte ich mir nach längerer Zeit wieder einen Osteopathietermin. Die Osteopathin meinte zu mir: „Wie schön, dass Sie kommen ohne Schmerzen zu haben.“ Nach drei Behandlungen stand ich wieder gerade. Jetzt beobachte ich mich selber und alle ein bis zwei Jahre hole ich mir osteopathische Hilfe.

Während einer Osteopathiebehandlung merke ich genau, wie und wo mein Körper dabei unterstützt wird, Energien loszulassen. Ich unterstütze diesen Prozess des Loslassens aktiv, was meine Osteopathin auch bemerkt.

Auch mit meinen Kindern gehe ich ab und zur Osteopathie. Als Baby hatte mein Sohn einen schiefen Kopf und Probleme beim Trinken. Hier hat die Osteopathie auch geholfen.

Aus meinem Freundes,- Bekannten- und Klientenkreis weiß ich, dass Osteopathie sowohl bei Kindern mit körperlichen Auffälligkeiten wie Schwierigkeiten beim Kopf drehen, KiSS Syndrom, Verdauungsproblemen, Koliken, X-Beinen, und wiederkehrenden Infekte unterstützen kann als auch bei Entwicklungsverzögerungen, extremem Verhalten außerhalb der normalen Entwicklungsstufe, z.B. bei ständigen Wutanfällen oder extremer Introvertiertheit, Sprachproblemen und Problemen beim Schreiben lernen positive Resultate gebracht hat.

Im Gespräch mit Jeanette konnte ich viel Neues über Osteopathie dazu lernen. Zum Beispiel haben die fünf verschiedenen Osteopathen, Männer und Frauen, die ich bisher erlebt habe, eher sanft gearbeitet. Jeanette erklärte mir, dass es auch viele Osteopathen gibt, die mehr chiropraktisch arbeiten, also den Körper des Patienten eindrücklicher bewegen. Intuitiv habe ich mir wohl die Behandlungsweise gesucht, die am besten zu mir passt.

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3. Fragen an die Osteopathin Jeanette Gauster

1. Wie bist Du darauf gekommen, Osteopathie zu lernen und wie gestaltete sich Dein Ausbildungsweg?

Ich hatte als Kind eine starke Skoliose, das ist eine Wirbelsäulenverkrümmung und habe deswegen jahrelang Krankengymnastik gemacht. Als junge Erwachsene bin ich schließlich wegen der ständigen Schmerzen operiert worden. Schon früh habe ich mich deswegen für die Arbeit als Krankengymnastin interessiert und so machte ich nach der Schule eine 3 jährige Ausbildung zur Physiotherapeutin. Während dieser Ausbildung lernte ich die Osteopathie kennen und lieben. Ich wusste, das möchte ich lernen.

Die berufsbegleitende Ausbildung bei einer bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für Osteopathie (BAO) anerkannten Schule dauerte 5 Jahre. Anschließend habe ich zwei Jahre lang Kinderosteopathie gelernt. Auch heute noch bilde ich mich ständig weiter.

Direkt im Anschluss an die Osteopathieausbildung habe ich die Heilpraktikerprüfung gemacht damit ich auch Diagnosen stellen darf.

 

2. Bei welchen Beschwerden würdest Du Osteopathie empfehlen?

Osteopathie kann bei vielen chronischen Beschwerden helfen, besonders dann, wenn die Schulmedizin nicht weiter weiß. Wenn Körper, Geist und Seele aus irgendeinem Grund nicht eins sind, kann Osteopathie unterstützen. Jeglicher psychischer Stress kann sich im Körper zeigen; auch Depressionen und seelische Traumata.

 

3. Kommen Deine Patienten von alleine oder werden sie von Ärzten oder Heilpraktikern geschickt?

Viele meiner Patienten kommen von alleine oder auf Empfehlung aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis. Aus dem medizinischen Bereich bekomme ich die meisten Empfehlungen von Hebammen, Logopäden und Ergotherapeuten.

 

4. Wie ist Dein idealer Patient?

Mein idealer Patient lässt sich auf die Behandlung ein. Meine Art der Therapie ist wenig invasiv, das heißt man merkt an der Oberfläche nicht viel. Dass sich im Körper dabei trotzdem viel tun kann ist für viele Menschen ungewohnt und daher schwer zu verstehen.

Auch deswegen arbeite ich gerne mit Kindern. Sie hinterfragen nicht viel, lassen sich auf die Behandlung ein und fühlen einfach.

 

5. Sollten Kinder und Säuglinge schon früh einem Osteopathen vorgestellt werden?

Osteopathie kann bei Kindern wunderbar die Selbstheilungskräfte unterstützen. Das bedeutet aber nicht, dass man sofort nach der Geburt zum Osteopathen rennen muss. Im Gegenteil, Kinder haben von sich aus ausgeprägte Selbstheilungskräfte. Nach meiner Erfahrung wissen Eltern, wenn etwas nicht mit ihrem Kind stimmt. Sie sollten sich da ruhig auf ihr Gefühl verlassen und sich je nach Bedarf Hilfe holen.

 

6. Wie sieht eine Osteopathiebehandlung bei Dir aus?

Am Anfang steht eine ausführliche Anamnese. Mich interessiert neben den aktuellen Beschwerden auch die körperliche Historie und die Lebenssituation meiner Patienten.

Ich arbeite während der Behandlung mit den Händen am Patienten und suche nach Läsionen, das sind Stellen wo etwas nicht im Fluss, also verspannt oder blockiert ist. Dort unterstütze ich den Körper.

Ich gebe in der Behandlung kleine Anstöße und der Körper setzt diese dann um. Er geht dabei so weit wie er in diesem Moment gehen kann. Nichts wird erzwungen, denn die Selbstheilungskräfte überfordern einen nicht.

 

7. Was hat Osteopathie mit Selbstheilungskräften zu tun?

Der Körper kann alleine heilen und tut das auch ständig. Erst wenn eine Verletzung oder Überlastung zu groß ist oder es zu viel auf einmal wird, kann er sich nicht mehr selbst heilen. Er kompensiert dann um weiter funktionieren zu können. Das hat dann Folgen für andere Teile des Körpers und irgendwann spüren wir Schmerzen mit denen uns der Körper darauf aufmerksam macht, dass etwas nicht stimmt.

Eine Kompensation kann folgendermaßen aussehen: Wir knicken uns den Fuß um und das führt zu einer leichten Fehlstellung der Fußknochen. Danach reagiert das Knie darauf, dann sind die Hüfte, das Becken und die Wirbelsäule dran. Wochen oder Monate später haben wir dann vielleicht Nackenschmerzen.

Manche Menschen können ihr Leben lang wunderbar kompensieren und stellen erst mit über 60 Jahren fest, dass es plötzlich jede Menge Probleme gibt, wo doch vorher immer alles in Ordnung war.

 

8. Osteopathie wirkt auch nach der Behandlung: Woher kommt das?

Ich erkläre das gerne an einem Beispiel: Unser Keller ist voll und das Regal ganz hinten an der Wand ist zusammengebrochen. Wir entschließen uns gründlich aufzuräumen. Da wir nicht an das kaputte Regal herankommen, fangen wir mit dem Aufräumen an der Tür an.

Als Osteopathin fange ich sozusagen an der Tür an zu behandeln. Der Körper arbeitet aber, im Gegensatz zum Keller, nach der Behandlung alleine weiter. Das kann anstrengend sein und viele Patienten sind danach müde. Wichtig ist deswegen, nach einer Behandlung ausreichend Wasser zu trinken, da der Körper Schadstoffe dann leichter abtransportieren kann. In den ersten zwei bis drei Wochen nach einer Behandlung, manchmal auch länger, arbeitet der Körper noch weiter und findet so sein neues Gleichgewicht.

9. Bezahlen die Krankenkassen Deine Behandlungen?

Die Bezeichnung Osteopath ist nicht gesetzlich geschützt. Viele gesetzliche Kassen übernehmen seit 2012 dann einen Teil der Kosten, wenn der Osteopath eine 5-jährige Ausbildung in einer von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Osteopathie (BAO) anerkannten Schule vorweist.

Ob private Kassen die Behandlung bezahlen hängt vom individuellen Tarif ab. Sind Heilpraktiker-Leistungen eingeschlossen, ist der Abschluss als Heilpraktiker für die Erstattung entscheidend.

 

10. Worin liegen Deine Stärken?

Was mir bei meiner Arbeit sehr hilft ist mein feines Gespür. Ich spüre gut, wo es gerade hakt, das erleichtert mir die Arbeit. Ich mag Menschen und lasse mich unvoreingenommen auf sie ein. Ich bin ein bodenständiger, direkter und humorvoller Mensch.

 

11. Was schätzt Du an Deinem Beruf?

Ich freue mich, wenn ich dazu beitrage, dass ein Körper sich wieder selbst helfen kann und ich schätze die Vielseitigkeit meiner Arbeit.

Die Therapie ist keine Wellnessbehandlung und man sollte keine Wunder erwarten. In schwierigen Fällen sehe ich es schon als Erfolg, Linderung zu erreichen. Z.B. bei einer Patientin mit wiederkehrenden Rückenschmerzen hat sich die Dauer ihrer Schmerzen von 3 Wochen auf 3 Tage reduziert.

Vielen Dank für Deine Antworten Jeanette!

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4. Osteopathie als Therapiemöglichkeit

Ich hoffe, Jeanettes Antworten haben geholfen, Osteopathie greifbarer zu machen. Es wäre schön, wenn mehr Menschen diese Therapieform besser kennen lernen. Meiner Erfahrung nach ist eine Osteopathiebehandlung eine gute Investition auch wenn die Krankenkasse sie nicht oder nur zum Teil bezahlt. Unsere langfristige Gesundheit sollte uns das wert sein.

Die Verantwortung für unsere Gesundheit liegt ganz alleine bei uns. Nicht jede Therapie passt für jeden und nicht jeder Therapeut ist uns sympathisch und das ist gut so. Manchmal hilft nur, etwas auszuprobieren von dem man das Gefühl hat, es könnte helfen. So habe ich vor 13 Jahren auf der Suche nach Heilung für meine asthmakranke Tochter das geistige Heilen entdeckt.

Für mich persönlich ist Osteopathie eine wertvolle Unterstützung. Auch in meinem Körper addieren sich im Laufe der Zeit kleine Verspannungen auf. Als Energiearbeiterin bin ich dafür wahrscheinlich sensibel und merke, wenn mein Körper mal wieder Unterstützung beim Loslassen braucht. Ich erspare mir damit sicher viele Beschwerden und bleibe länger gesund.

 

© Inge Schumacher

 

Depressionen 2.0

 

Zwei persönliche Geschichten.

Depressionen sind eine Krankheit, die für viele Menschen zum Leben dazu gehört. Trotzdem sind oft nicht nur Freunde und Familie verunsichert, wenn sie mit Depressionen konfrontiert werden.

Um diese Krankheit besser begreifbar zu machen, zeige ich anhand von zwei persönlichen Beispielen wie Depressionen für Betroffene aussehen können.

Die Idee dazu hatte ich durch den Artikel „Meine Freundin, die Depression“ meiner Bloggerkollegin Kay auf ihrem Blog Twistheadcats. Mein Artikel über Hochsensibilität hatte sie wiederum zu ihrem inspiriert. Also habe ich Kay gefragt, ob sie ihre Depressionsgeschichte zusammen mit meiner in einem Artikel teilen würde. Das Ergebnis unserer Kooperation ist dieser Artikel. Kay war gerade volljährig und ich war  doppelt so alt als wir die Diagnose Depression bekamen.

1. Depressionen sind eine ernsthafte Erkrankung

Viele Deutsche haben nur eine vage Vorstellung von Depressionen, wie das aktuelle Barometer der Deutschen Depressionshilfe zeigt:

 

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Infografik der Stiftung Deutsche Depressionshilfe 2017

 

Psychische Krankheiten wie Depressionen sind im Gegensatz zu körperlichen Krankheiten meist unsichtbar. Das macht sie nicht weniger schwerwiegend, sie lassen sich dadurch nur besser verstecken. Leider können Depressionen auch einen schwerwiegenden Verlauf haben und tödlich sein: 10% bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden schweren Depressionen sterben durch Selbstmord.

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Gedenken an ein Depressionsopfer auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg

a. Depressions-Statistik

In Deutschland und Österreich leiden wahrscheinlich 5% der Bevölkerung, also etwa 4,5 Millionen Menschen, gerade an einer Depression. Schätzungsweise 10% bis 20% aller Menschen erkranken einmal in ihrem Leben daran. Menschen jeden Alters sind betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Viele von uns kennen also jemanden, der an Depressionen erkrankt ist oder war.

b. Was passiert bei einer Depression im Körper?

Bei einer Depression gerät die Körperchemie tüchtig durcheinander. Wichtige Neurotransmitter arbeiten nicht mehr wie gewohnt und Glückshormone sind dadurch Mangelware. Das wirkt sich negativ auf die Stimmung und den Antrieb der Betroffenen aus.

Die Hauptsymptome einer Depression sind: Gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafprobleme, Schmerzen und mangelndes Selbstwertgefühl.

Daniel hat die neurochemischen Zusammenhänge in seinem Burnout-Blog sehr gut erklärt. An einer Depression beteiligte Neurotransmitter, die unsere Gefühle beeinflussen, sind z.B. Oxytocin, das ist für Vertrauen und Dopamin, das ist für Belohnung zuständig. Serotonin vermittelt ein Gefühl von Zufriedenheit.

Die Frage ist, aus welchem Grund die Körperchemie so durcheinander kommt, dass der Betroffene schließlich völlig still gelegt wird. Darüber weiß man auch heute noch viel zu wenig.

2. Meine Geschichte

Ich bin 1966 geboren. Aufgewachsen bin ich als ältestes von vier Kindern. Meine Eltern sind Kriegskinder und für einen Großteil dieser Generation stand das Funktionieren an erster Stelle. Wie es im eigenen Inneren aussah interessierte weniger und man teilte es auch nicht unbedingt.

Ich war erfolgreich in der Schule und studierte nach dem Abitur Betriebswirtschaft. Anschließend arbeitete ich 9 Jahre im Controlling und in der Unternehmensberatung. Ich machte also eine Bilderbuchkarriere.

Mit 30 Jahren heiratete ich meinen langjährigen Freund und einige Jahre später kam unser erstes Kind. Als die Kleine eineinhalb Jahre war wurde ich wieder schwanger. Es war eine Eileiterschwangerschaft, die wir zum Glück rechtzeitig erkannt haben. Ich wurde erfolgreich operiert und alles ist gut verlaufen.

Aber dann fing ich an schlecht zu schlafen und war nachts immer öfter lange wach. Ich war oft müde und antriebslos. Der Alltag fiel mir unendlich schwer. Irgendwann saßen mein Mann und ich auf dem Sofa und haben die Symptome zusammengezählt: Das könnte eine Depression sein.

Zuerst ging ich zum Hausarzt um eine körperliche Ursache auszuschließen z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion. Dann suchte ich mir eine Psychotherapeutin und nahm ein Jahr lang Medikamente. Ich begann mit der Ursachenforschung.

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Mögliche Ursachen meiner Depression

a. Vererbung

Nachdem meine Eltern von meiner Depression hörten, erzählten sie mir, dass meine Großmütter auch Depressionen hatten. Davon hatte ich noch nichts gewusst. Eine Ursache für meine Depression ist sicher diese ererbte Neigung. Meiner Meinung nach führte sie dazu, dass mein Körper mit einer Depression und nicht mit etwas anderem, z.B. mit einem Magengeschwür, darauf reagierte, dass etwas in meinem Leben nicht in Ordnung war.

b. Wochenbettdepression

Meine Therapeutin vermutete als Auslöser bei mir eine Wochenbettdepression durch die Eileiterschwangerschaft. Die starken Hormonschwankungen sollen hier eine entscheidende Rolle spielen. Die Zahl der betroffenen Mütter ist 10% mit ziemlich groß.

c. Emotionaler Ballast

Den Hauptgrund für meine Depression sehe ich heute in den Altlasten, die sich bei mir angesammelt hatten. Es war anscheinend an der Zeit, diese aufzuarbeiten und die Depression war meine Art mich darauf aufmerksam zu machen.

Heute weiß ich, dass meine Hochsensibilität ein wichtiger Faktor des Problems war. In meiner Kindheit habe ich meine Intuition und Empfindsamkeit unterdrückt, um mich an meine Umwelt anzupassen und weniger Reibung zu erzeugen. Meine Eltern konnten wahrscheinlich mit vielen meiner hochsensiblen Wahrnehmungen nichts anfangen und haben mir deshalb gespiegelt, dass sie falsch waren. Darum ist meine empfindsame Seite verkümmert.

Während der Therapie hat mir meine Psychiaterin geholfen meine unterdrückte Intuition wiederzufinden indem Sie mit mir regelrecht geübt hat. Mir ist klar geworden, wie abgeschnitten ich lange Zeit von einem großen Teil von mir selbst gewesen war.

 

d. Die Folgen meiner Depression

Heute bin ich dankbar für meine Depression. Durch den Leidensdruck war ich dazu gezwungen herauszufinden, was mit mir los war. Dies hat dazu geführt, dass ich meine Hochsensibilität in mein Leben integriert und meine Berufung gefunden habe: In meiner Heilpraktiker Praxis unterstütze ich meine Klienten mit meiner Energiearbeit auf ihrem persönlichen Weg.

Mitgenommen habe ich aus dieser Zeit die Selbstbeobachtung. Ich habe dadurch angefangen, immer mehr zu mir selbst zu finden. An meinem Selbstbewusstsein arbeite ich zwar immer noch, habe dort in den letzten 15 Jahren aber große Fortschritte gemacht. Da ich auf meine persönlichen Stressfaktoren achte, verhindere ich dauernde Überforderungen. Mit dieser Ausrüstung ist die Gefahr für mich wieder in eine Depression zu fallen geringer.

 

4. Kays Geschichte

a. Wie alt warst du, als du wusstest: Das ist eine Depression?

Ich kann heute gar nicht mehr sagen, zu welchem Zeitpunkt meine Depression begonnen hat. Klar ist aber, dass diese ihren Höhepunkt erreicht hatte, als ich 18 Jahre alt war. Ich selbst habe überhaupt nicht erkannt, dass es sich bei meinem Zustand um eine Depression handelte, ich steckte so tief in dieser unbeschreiblichen Leere und dem Gefühl der Sinnlosigkeit, dass ich nicht mehr fähig war, mir Gedanken darüber zu machen, was denn eigentlich mit mir los ist.

Meine Mutter war es, die die Symptomatik damals erkannte und mich letztendlich zu einem Psychiater, ich muss schon sagen “schleifte”, denn ich selbst hätte niemals den Antrieb aufbringen können, mir professionelle Hilfe zu suchen.

 

b. Was hast du gemacht? Hattest du Unterstützung?

Ich hatte aufgrund meiner mangelnden Erfahrung mit Depressionen und da ich mich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Selbstreflektion beschäftigt hatte, den Punkt weit überschritten, an dem ich noch selbstständig aus diesem Loch hätte entkommen können.

Meine Unterstützung waren also in erster Linie, wie bereits erwähnt, meine Mutter und ihr damaliger Lebensgefährte, der eine unglaublich große emotionale Intelligenz besaß und tatsächlich mit mir umzugehen wusste, obwohl ich damals wirklich kein einfacher Zeitgenosse war.

Damit ich wieder “auf die Beine kam” suchte ich also regelmäßig einen Psychiater auf, nahm an Gruppentherapien teil und wurde medikamentös eingestellt. Dies war für mich der Start zurück ins Leben. Sobald ich wieder klar denken konnte und wieder etwas Antrieb hatte, begann ich, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen und Ursachenforschung zu betreiben.

Ich entschied mich nach ein paar Monaten, die Medikamente abzusetzen und die Gruppentherapie zu beenden. Ich wollte es alleine schaffen, mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und ich fühlte mich bereit dafür.

 

c. Hast du von deiner Krankheit erzählt?

Nein. Als ich akut unter Depressionen litt, erzählte ich niemandem von meiner Erkrankung. Erst Jahre später lernte ich, in vertrautem Umfeld darüber zu sprechen und konnte dank meinen Erfahrungen auch vielen Anderen weiterhelfen. So erkannte ich, dass auch meine Depression einen Sinn in meinem Leben hatte und kann sie als wichtige Lebenserfahrung akzeptieren.

 

d. Wie hat deine Umgebung reagiert?

Soziale Kontakte hatte ich damals ja schon lange abgebrochen. Ich hatte mein Interesse an anderen Menschen verloren.

Meine Familie reagierte verständnisvoll und geduldig auf mich. Meine Depression wurde ernst genommen, nicht heruntergespielt und ich wurde nicht gedrängt, mich schnell wieder zu erholen.

Da ich damals kurz vor meiner Matura (Abitur) stand, informierte meine Mutter auch die Lehrkräfte über meinen Zustand (schließlich war ich ja gut ein halbes Jahr zuhause) und zu meiner Verblüffung erfuhr ich auch von diesen große Unterstützung. Ich bekam die Gelegenheit, gewisse Prüfungen verspätet nachzuholen und durfte mir mit Abgabeterminen etwas mehr Zeit lassen als Andere.

Dennoch gaben sie mich nicht auf und ermutigten mich, die Schule zu beenden. Das empfand ich auch als sehr wichtig und richtig, denn ich selbst hätte ansonsten wahrscheinlich alles hingeschmissen.

 

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5. Depressionen: Was kann ich tun?

Wie bei allen Erkrankungen muss jeder selbst entscheiden, was für ihn passt. Als Depressiver, wenn man sowieso kaum handlungsfähig ist, ist das besonders schwer.

Wenn gar nichts mehr geht holt man sich am besten schnell Hilfe. Dafür gibt es in jeder Stadt und jedem Land Notfallnummern (s.u.). Ehe Schlimmeres passiert rate ich jedem, sich im Akutfall selber in ein Krankenhaus einzuweisen.

Ich habe mir damals vom Hausarzt eine Therapeutenliste geben lassen und in meiner Verzweiflung mit geschlossenen Augen mit dem Finger auf einen Namen getippt. Diese Person war zum Glück die richtige Therapeutin für mich.

a. Psychotherapie

Externe Hilfe in Anspruch zu nehmen war für mich wichtig. So hatte ich jemand Neutrales an meiner Seite, der mich von Woche zu Woche unterstützte. Ich war motiviert durch die Therapie die Antidepressiva wieder loszuwerden.

b. Medikamente Ja oder Nein?

In meinem Fall ein klares Ja. Mit den Antidepressiva ging es mir schnell ein wenig besser. Ich konnte meinen Alltag wieder bewältigen und für meine kleine Tochter da sein. Auch war ich so fähig besser mit meiner Therapeutin zusammen zu arbeiten.

c. Sport

Es gibt viele Studien, die beweisen, dass körperliche Bewegung die Stimmung positiv beeinflusst. Sport wirkt also ähnlich wie ein Antidepressivum. In der akuten Depression nützt einem dieses Wissen jedoch nicht viel, da Depressive kaum in der Lage sind sich zu irgendetwas zu motivieren. Sport ist erst dann möglich, wenn das erste Loch überwunden und man auf dem Weg der Besserung ist.

 

6. Sind Depressionen noch ein Tabu?

Ist es immer noch so? Sind Depression wie Fußpilz, viele haben es aber keiner spricht darüber?

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht mit meiner Depressionsvergangenheit offen umzugehen. Meine Offenheit hat zu vielen interessanten Gespräche geführt durch die ich viel gelernt habe.

Auch immer mehr Blogger berichten über ihre persönlichen Erfahrungen mit Depressionen (Beispiele unten). Diese Blogs dokumentieren sehr gut wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, mit seiner Depression zu leben.

 

Wie gehe ich mit Depressiven um?

Ganz klar, Familie und Freunde von Depressiven leiden sehr. Sie leiden besonders unter ihrer Hilflosigkeit. Denn sie können die Wirklichkeit von Depressiven nicht verändern, das können diese nur selbst. Auch bekommen sie wenig zurück für ihre Bemühungen und ihren Einsatz.

Das einzige, was Familie und Freunde wirklich tun können, ist da zu sein. Ganz wichtig ist, dabei gut auf sich selbst zu achten und nicht ständig über die eigenen Grenzen zu gehen. Denn nur so können sie den Depressiven auch über längere Zeit hinweg ein Sicherheitsnetz bieten.

Es wäre wunderbar, wenn wir es schaffen würden unsere Unsicherheit zu überwinden und mit Depressiven so umzugehen wie mit allen anderen Menschen, egal ob gesund oder krank, nämlich mit Akzeptanz und Respekt.

 

 

Links:

Notfallnummern bei akuten Depressionen

 

Webseiten

 

Einige Blogger, die von ihrer Depression erzählen

 

Verschiedenes

 

© Inge Schumacher

Hatschi!! Gesundheit!

Allergien und Selbstheilungskräfte.

Sobald die ersten Frühblüher ihre Pollen verteilen hören wir das Niesen wieder öfter. Dann wissen wir, die Heuschnupfensaison hat begonnen und für viele Menschen ist das eine unangenehme Zeit: Ihre Augen jucken und die Nase läuft.

Heute leidet fast jeder 3. Deutsche an irgendeiner Allergie. Heuschnupfen hat sogar jeder 6. Deutsche. Die Zahl der von Allergien betroffenen Kinder liegt zwischen 10% und 20 %. Asthmaerkrankungen haben sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.

Die Gründe für diesen Anstieg werden kontrovers diskutiert: Stress, Umweltgifte, Infektionen, Lebensumstände, Hygiene sowie das Impfen oder die Vererbung werden u.a. genannt.

 

Was tun?

In diesem Artikel möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Allergiesymptome nicht in Stein gemeißelt sind. Ich habe selbst erlebt, dass ich meine aktiv beeinflussen konnte.

Sie waren der Grund, dass ich meine Selbstheilungskräfte kennen und nutzen gelernt habe. Wenn mehr Allergiker lernen ihre Selbstheilungskräfte zu nutzen, würden sie vielleicht weniger unter ihren Allergien leiden.

 

1. Was bedeutet Allergie?

Das Wort Allergie leitet sich aus dem Altgriechischen allos, die Fremdreaktion, und ergon, die Verrichtung, ab. Sie bezeichnet eine überschießende krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems auf normalerweise harmlose Umweltstoffe, die Allergene.

Das Immunsystem schlägt Alarm

An einem schönen Frühlingstag fliegen Birkenpollen, also Allergene, durch die Luft. Sie treffen auf unsere Schleimhäute und bei einigen von uns wird dadurch im Körper Alarm ausgelöst. Dem Immunsystem wird gemeldet: “Hier sind Eindringlinge, die sofort bekämpft werden müssen“: Die Augen tränen und die Nase läuft. Hier haben wir es mit dem häufigsten Allergietyp, dem Typ 1 (Soforttyp) zu tun.

Unser Immunsystem irrt sich also. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Allergiker mehr Antikörper im Blut haben als Nicht-Allergiker. Das Immunsystem von Allergikern befindet sich sozusagen dauernd in erhöhter Alarmbereitschaft. Warum das so ist, dafür gibt es bisher keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung.

 

2. Meine eigenen Erfahrungen mit Allergien

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Bild: Haselnussblüten

Mit neun Jahren bekam ich die ersten Heuschnupfensymptome. Ich reagierte zuerst nur auf blühende Gräser. Die Symptome nahmen bis ins Erwachsenenalter kontinuierlich zu, so dass schon am Anfang des Jahres, wenn die Haselnuss blühte, meine Augen juckten. Ich hatte bis in den Oktober hinein Beschwerden.

Als Teenager machte ich beim Arzt einen Pricktest. Dieser Test hilft bei der Diagnose von Allergien vom Typ 1. Dabei werden allergenhaltige Lösungen mit Abwehrzellen der Haut durch einen Piks in Kontakt gebracht. So kann man beobachten, welche Allergene Reaktionen auslösen. Nach diesem Test waren meine Unterarme voller Quaddeln. Ich war also gegen die meisten der getesteten 20 Stoffe allergisch.

Indem ich blühende Wiesen mied kam ich mit meiner Gräser-Allergie ganz gut durch die Schulzeit. Als ich meinen jetzigen Mann, einen Medizinstudenten, mit Mitte 20 kennenlernte, stand ich kurz vor dem BWL-Examen. Durch den damit verbundenen Stress wurden meine Allergiesymptome so stark, dass ich mich nur noch im Haus aufhielt. Medikamente wollte ich so wenig wie möglich nehmen. Mein Mann schlug mir vor, einmal etwas ganz anderes auszuprobieren. Da ich nichts zu verlieren hatte, habe ich es versucht.

 

2.1 Erfolgreicher Selbstversuch mit Visualisierung

Er hat mir geholfen ein Bild zu entwickeln, das mir dabei helfen sollte mittels Visualisierung meine allergischen Reaktionen in den Griff zu bekommen. Ich sollte dem Immunsystem mit diesem Bild vermitteln, dass die von ihm wahrgenommen Allergene nicht gefährlich sind. Erstaunlicherweise hat das funktioniert!

Jahrelang habe ich mir also ab Anfang des Jahres vorgestellt, dass ich an meine Antikörper Flugblätter verteilte habe auf denen stand: „Alles ganz harmlos. Beruhigt euch.“ Immer wenn ich geniest habe, also fast jeden Tag, habe ich das Bild aktiviert. So brauchte ich keine Medikamente und hatte kaum noch Symptome.

Interessant war, dass ich fest daran glauben musste, dass es funktioniert. Einmal habe ich das nicht hinbekommen und hatte am Anfang des Jahres einen sehr starken Allergieanfall. Es hat danach einige Wochen gedauert, bis ich das Vertrauen in die Visualisierung wieder aufgebaut hatte.

 

2.2 Kreuzallergien

Im Laufe der Jahre bekam ich zusätzlich Kreuzallergien. Die Schleimhäute in meinem Mund und Rachen reagierten plötzlich beim Verzehr von Haselnüssen, Kirschen und rohen Karotten. Kreuzallergien entstehen, wenn das Immunsystem auf ähnliche Eiweißstrukturen auch mit Abwehr reagiert. Meines hatte also gelernt, auch auf diese Nahrungsmittel zu reagieren. Kreuzallergien sind abzugrenzen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die keine allergischen Reaktionen sind.

Ich kam zwar weiter ohne Medikamente aus, war aber etwas eingeschränkt was die Wahl der Nahrungsmittel betraf. Mittlerweile hatten wir eine Familie gegründet.

 

2.3. Meine Tochter bekam Asthma

Meine älteste Tochter litt an Belastungsasthma. Davon sind besonders Kinder betroffen. Sie hatte bei körperlicher Anstrengung Husten und Atemnot. Wie beim bekannteren Asthma bronchiale reagieren auch hier die Bronchien empfindlich auf Allergene. Wir gingen zum Lungenfacharzt.

Der Arzt verschrieb meiner Tochter die tägliche Inhalation mit einem kortisonhaltigen Medikament. Kortison wirkt entzündungshemmend und bewirkt bei längerer Anwendung ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut. Es verringert die Schleimproduktion und hemmt so die allergische Reaktion der Bronchien.

Nach einem Jahr erklärte uns der Arzt, dass sie ihr ganzes Leben lang weiter täglich mit Kortison inhalieren müsse. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt. Damit wollte ich mich nicht abfinden und sah mich nach Alternativen um.

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2.4 Erfolg mit Energiearbeit

Erfolg hatten wir schließlich mit geistigem Heilen. Nach drei Behandlungen innerhalb von 6 Monaten waren meine Tochter und ich unsere Allergien fast vollständig los. Sie hatte nie wieder Atemnot. Ich konnte wieder Kirschen, Nüsse und Karotten essen und mich in blühende Wiesen legen.

Dieser Erfolg hat mich so fasziniert, dass ich eine Ausbildung in geistigem Heilen und Energiearbeit gemacht habe. Danach besuchte ich eine Heilpraktikerschule und habe die Heilpraktikerprüfung gemacht. In meiner Praxis behandele ich jetzt natürlich auch Allergien.

 

2.5 Was habe ich aus meinen Allergien gelernt?

Ich habe gelernt, die Überreaktionen meines Immunsystems in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Wenn mein Immunsystem in ständiger Alarmbereitschaft ist, dann gibt es Gründe dafür. Durch die Energiearbeit bekam ich Hilfe dabei, die Ursachen für die Alarmbereitschaft meines Immunsystems herausfinden und sie zu beseitigen. Ich habe dabei meine Selbstheilungskräfte entdeckt und genutzt. So beruhigte sich mein Immunsystem wieder und die Allergiesymptome verschwanden.

Auch heute habe ich manchmal noch Allergiesymptome. Sobald sie auftauchen, überprüfe ich meine Situation und stelle Fragen: Was ist passiert? Was belastet oder stresst mich? In der Regel finde ich schnell die Ursache, behebe sie und die Symptome verschwinden wieder. Ich nutze meine Allergiesymptome also als ein Frühwarnsystem, dafür dass etwas nicht in Ordnung ist.

 

3. Allergiebehandlungen in meiner Praxis

Wenn Sie wegen Allergien zu mir in die Praxis kommen, schauen wir uns diese gemeinsam im Gesamtzusammenhang an. Nach einer ausführlichen Anamnese und Aufnahme des energetischen Ist-Zustandes stelle ich fest, welche Allergien und Empfindlichkeiten vorliegen.

Dann untersuchen wir die Gründe für die Überreaktion Ihres Immunsystems und bearbeiten diese. Oft stellt sich schon kurz nach der ersten Behandlung eine Besserung ein. In der Regel braucht man aber mehrere Behandlungen, um die allergischen Reaktionen langfristig loszuwerden.

Beispiel Katzenallergie

Eine Klientin litt sehr unter einer Katzenallergie. Sie traute sich wegen der Symptome kaum noch ihre Enkel zu besuchen. In der Behandlung stellten wir fest, dass die Ursache für die Allergie ein Thema aus der Beziehung zu ihrer Mutter war. Einige Wochen später bekam ich einen Anruf von ihr, in dem sie mir glücklich berichtete, dass sie gerade ohne Allergiesymptome neben einer Katze saß.

Die Allergiesymptome meiner zweiten Tochter

Seit zwei Jahren hat meine Zweitälteste, sie ist 14 Jahre alt, ab und zu heftige Allergiesymptome. Ihre Augen tränen dann und sie niest ständig. Ich konnte bei ihr bisher keine „normale“ Allergie feststellen. Wir haben herausgefunden, dass ihr dann eine Energiebehandlung hilft, in der wir gemeinsam die Ursachen aufdecken und bearbeiten. Meist sind es Themen aus der Schule, mit Freunden oder aus der Familie. Dann verschwinden die Symptome wieder. Sie merkt eigenständig, wann es wieder so weit ist und kommt dann auf mich zu.

 

4. Weitere Therapien für Allergien

Geistiges Heilen ist nur eine von vielen Möglichkeit Allergien zu behandeln. Sie passt nicht für jeden. Deshalb stelle ich hier kurz noch einige andere Behandlungsmöglichkeiten vor.

4.1 Hyposensibilisierung

Bei der Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) wird das Immunsystem durch die kontinuierlich steigende Gabe des Allergens langsam an dieses gewöhnt. Langfristig schwächt sich so die Reaktion auf das Allergen ab. Die Reaktion des Immunsystems tritt kaum noch oder nur noch bei sehr starker Allergenbelastung auf.

Die spezifische Immuntherapie kann nur genutzt werden, wenn es für die Allergie ein entsprechend aufbereitetes Allergen gibt, dessen Wirksamkeit in Studien nachgewiesen ist. Bewährt hat sie sich bei Allergien gegen Bienen- und Wespengift, Pollen, Hausstaubmilben, Hund- und Katzenhaaren.

Sie ist eine gute Methode für Allergiker, die mit einem anaphylaktischen Schock rechnen müssen, wenn sie mit einem Allergen in Kontakt kommen. Bienenallergiker können nach einer erfolgreichen stationären Hyposensibilisierung wieder angstfrei den Sommer genießen.

 

4.2. Antihistaminika

Antihistaminika sind Medikamente, die die Immunreaktion dämpfen. Sie können Symptome kurzfristig lindern, die Ursache aber nicht beheben. Histamin spielt eine wichtige Rolle bei unserer Immunabwehr.

Antihistaminika enthalten Wirkstoffe, die sich an die Histamin-Rezeptoren im Körper binden und dadurch die Allergiesymptome abschwächen. Es gibt eine Vielzahl von Präparaten in Tabletten-, Tropfen- oder Sprayform.

Antihistaminika haben Nebenwirkungen und können aufgrund ihrer dämpfenden Wirkung müde machen. Da jeder anders auf sie reagiert, empfehle ich, gemeinsam mit dem Hausarzt auszuprobieren welches Mittel am besten zu einem passt.

 

4.3. Homöopathie

Homöopathie ist eine ganzheitliche Methode zur Behandlung von Allergien. Wichtig ist, sich einen Arzt oder Heilpraktiker zu suchen, der eine fundierte Homöopathie-Ausbildung gemacht hat. Ich empfehle Klienten öfter eine mir bekannte versierte Homöopathin.

Die homöopathische Behandlung baut auf einer ausführlichen Anamnese auf. So erfährt der Homöopath die notwendigen Informationen über den Patienten, seine Situation, sein Wohlbefinden und seine Krankheitssymptome. Auf dieser Grundlage wird durch den Prozess der Repertorisation das richtige Mittel ausgewählt.

 

4.4 Akupunktur

Akupunktur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die chinesische Medizin geht davon aus, dass ein gestörter Energiefluss des Qi für Erkrankungen verantwortlich ist. Durch das Setzen von Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte werden Störungen im Fluss des Qi behoben.

In der Praxis hat sich Akupunktur bei Allergien bewährt. Drei von vier Pollenallergikern spüren deutliche Verbesserungen. Am besten lässt man sich mehrere Jahre hintereinander behandeln. Viele Patienten haben danach jahrelang keine Beschwerden mehr.

 

4.5. Angewandte Kinesiologie

Als Diagnoseverfahren wird in der Kinesiologie ein Muskeltest eingesetzt, durch den Ungleichgewichte und Dysfunktionen festgestellt werden. Der Muskeltest dient als „Biofeedback-System“. Bei Allergikern findet nach ausführlicher Anamnese und Feststellung der Allergene sowie der möglicherweise dahinter verborgenen Ursachen ein kinesiologischer Energieausgleich statt.

 

Eine gute Nachricht ist, dass immer mehr Krankenkassen auch Kosten für alternative Heilmethoden übernehmen. Vielleicht setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass so langfristig Kosten durch weniger Medikamenteneinnahmen und Arztbesuche gespart werden.

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5. Wie finde ich die passende Therapie?

Es gibt leider keinen einzig richtigen Weg Allergien zu behandeln. Jeder muss für sich selbst herausfinden was ihm hilft. Wichtig ist, die Verantwortung dafür nicht an einen Arzt oder Therapeuten abzugeben.

Ich rate außerdem sehr davon ab zu experimentieren, wenn dadurch lebensbedrohliche Situationen entstehen können. Mit einem anaphylaktischen Schock ist nicht zu spaßen!

 

5.1. Was spricht mich an?

Wenn Sie auf der Suche nach einer passenden Therapie sind, rate ich Ihnen nach einer ganzheitlichen Methode zu suchen. Langfristig werden Therapien, die sich nur auf Ihre Symptome konzentrieren nicht helfen.

Idealerweise finden Sie eine Methode, die Sie dabei unterstützt herauszufinden, was für Gründe Ihr Immunsystem hat in erhöhter Alarmbereitschaft zu sein. Außerdem können  Sie mit einer ganzheitlichen Methode lernen, ihre Selbstheilungskräfte zu benutzen.

Versuchen Sie offen zu sein. Achten Sie bei der Suche genau darauf, was Sie anspricht und was Ihnen über den Weg läuft. Intuitiv wissen wir oft mehr als wir denken! Ich bin z.B. durch den Tipp einer Freundin auf das geistige Heilen gekommen.

Ein gutes Beispiel für dieses intuitive Wissen ist meine Tante, die mich einmal wegen ihrer starken Birkenpollenallergie anrief. Sie sagte, sie hätte das Gefühl, dass ihr Akupunktur helfen würde. Ich habe ihr geantwortet, dass sie sich die Antwort damit schon selbst gegeben hat. Ich war nicht überrascht, dass ihre Akupunktur-Behandlung erfolgreich war.

 

5.2 Allergien als Lernaufgabe

Durch die Allergien habe ich viel gelernt. Ich habe gelernt, dass es sich lohnt etwas auszuprobieren. Ich habe gelernt, dass ich Einfluss auf meine Krankheiten habe. Ich weiß jetzt, dass das Immunsystem nicht unabhängig von mir agiert und dass es lernfähig ist. Ich habe festgestellt, dass es sich lohnt mögliche Ursachen für Allergiesymptome zu erforschen. Der Leidensdruck durch das Belastungsasthma meiner Tochter hat mich damals zum Glück dazu motiviert, mich auf die Suche zu machen.

Vielleicht konnte ich Sie mit diesem Artikel dazu motivieren, sich auf eine eigene Entdeckungsreise zu begeben und so vielleicht einen neuen Zugang zu ihren Allergien zu finden. Vielleicht werden Sie sich dabei selbst überraschen. Auf jeden Fall werden Sie etwas über sich und Ihre Selbstheilungskräfte lernen.

 

© Inge Schumacher

 

Hochsensibilität für alle?

Es ist kein Zufall, dass in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften momentan viel über Hochsensibilität berichtet wird. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass in meinem persönlichen Umfeld viele Menschen sensibler werden.

Um diesen subjektiven Eindruck etwas zu objektivieren, habe ich Umfragen zur Entwicklung der persönlichen Sensitivität in mehreren Facebook-Gruppen erstellt. Das Ergebnis sehen Sie am Ende dieses Artikels.

Ich möchte hier anhand meines Beispiels zeigen wie Hochsensibilität aussehen kann. Vor dem Hintergrund meiner Lebensgeschichte beschreibe ich meine persönlichen Ausprägungen hochsensibler Merkmale und Sinne. Für meinen Beruf als Heilpraktikerin spielt diese Sensibilität eine wichtige Rolle.

Im ausführlichen Anhang ganz unten finden Sie Buchtipps und Links für Onlinetests, Webseiten und Blogs zur Hochsensibilität.

Auch wenn ich mich in diesem Artikel mit Hochsensibilität beschäftige, möchte ich darauf hinweisen, dass wir alle zarte Saiten in uns haben. Diese wollen auch gehört werden. Ich möchte Sie dafür sensibilisieren, auch Ihren leisen Wahrnehmungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Etwas Statistik zur Hochsensibilität

Hochsensibilität ist keine Krankheit sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Sie ist, nach Elaine Aron, auch bei allen höheren Tierarten nachweisbar. Es scheint evolutionsmäßig ein Vorteil zu sein, wenn ein Teil einer Population hochsensibel ist.

Jeder Fünfte, das sind 20% der Bevölkerung, egal ob männlich oder weiblich, ist hochsensibel. Aron, die Pionierin der Hochsensibilitätsforschung, geht davon aus, dass diese Sensibilität zumindest teilweise vererbt wird. 70% der Hochsensiblen sind introvertiert und 30% extrovertiert.

 

Wie das Wort Hochsensibilität zum ersten Mal meinen Weg kreuzte

Vor drei Jahren lernte ich bei einem Treffen der mompreneurs in Hamburg, das ist eine Vereinigung selbstständiger Mütter, eine interessante Frau kennen. Sie erzählte mir, dass sie gerade dabei war, ein Buch über Hochsensibilität zu schreiben. Von ihr erfuhr ich, was Hochsensibilität ist und wie es ist hochsensibel zu sein. Kathrin Sohsts Buch Zart im Nehmen kam 2016 heraus und ist mittlerweile in etliche Sprachen übersetzt worden. Ich bin stolz, dass ich eine Seite zu den vielen Erfahrungsberichten in diesem wunderbaren Buch beisteuern konnte.

Bei diesem Gespräch mit Kathrin habe ich das Wort Hochsensibilität das erste Mal gehört. Ich war danach sensibilisiert für dieses Thema, las Bücher und nahm an Workshops teil.

 

Meine persönliche Geschichte

Aufgewachsen bin ich als ältestes von vier Kindern. Meine Eltern sind Kriegskinder und für einen Großteil dieser Generation stand das Funktionieren an erster Stelle. Wie es im eigenen Inneren aussah interessierte weniger und man teilte es auch nicht unbedingt mit.

Viele Kinder meiner Generation wurden nicht als eigenständige Persönlichkeiten behandelt. Wir durften oft nicht für uns selber entscheiden und wurden auch nicht nach unserer Meinung gefragt. Das war ganz normal. Hier hat sich seither sehr viel verändert.

 

Von der Hochsensibilität…

Heute weiß ich, dass ich in meiner Kindheit meine Intuition und Empfindsamkeit unterdrückt habe, um mich an meine Umwelt anzupassen und weniger Reibung zu erzeugen. Meine Eltern konnten wahrscheinlich mit vielen der von mir geäußerten hochsensiblen Wahrnehmungen nichts anfangen und haben mir deshalb gespiegelt, dass sie falsch waren. So habe ich meine empfindliche Seite verkümmern lassen.

Hinweise dafür, dass ich einiges an Ballast mit mir herumschleppte entdeckte ich im jungen Erwachsenenalter, nach meinem BWL Studium.

Als ich mit meinem jetzigen Ehemann 5 Monate auf Weltreise war hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Wir lagen abends in unserem Zelt im Yosemite Nationalpark. Ich war dabei einzuschlafen als mir auffiel, dass etwas fehlte: Dies war das erste Mal, dass ich keine Angst vor dem nächsten Tag hatte! Für mich war das bis dahin etwas so Normales gewesen, dass ich es weder je hinterfragt noch jemanden erzählt habe. Ich dachte, jedem ginge es so.

Es hat mich sehr erschreckt, dass ich die Welt lange als so bedrohlich wahrgenommen habe, obwohl ich sehr behütet aufgewachsen bin.

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…und einer Depression…

Mit Mitte 30 entwickelte ich nach einer Eileiterschwangerschaft eine Depression. Ich machte eine Therapie, nahm Medikamente und betrieb Ursachenforschung.

Warum hatte ich diese Depression? Nachdem meine Eltern von meiner Depression hörten, erzählten sie mir, dass meine Großmütter auch Depressionen hatten. Eine Depressionsneigung kann vererbbar sein.

Meine Hochsensibilität war wahrscheinlich neben der genetischen Disposition ein weiterer Grund für meine Depression. Während der Therapie hat mir die Psychiaterin geholfen meine unterdrückte Intuition wiederzufinden indem Sie mit mir regelrecht geübt hat. Mir ist erst später klar geworden, wie abgeschnitten ich vorher von einem großen Teil von mir selbst gewesen war.

…zur Heilpraktikerin

Mit Hilfe der Therapie fing ich an meine natürliche Intuition in den Alltag zu integrieren. Erst langsam wurde ich mir meiner außerordentlichen Wahrnehmungsfähigkeiten bewusst. Einige Jahre nach der Therapie machte ich eine Ausbildung in geistigem Heilen und wurde anschließend Heilpraktikerin.

 

Wie sieht meine Hochsensibilität konkret aus?

Ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung und habe in dieser Zeit viel über mich gelernt. Die Erkenntnis, dass ich zur Gruppe der Hochsensiblen gehöre erklärt einige meiner persönlichen Eigenheiten und ermöglicht es mir mich aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen.

In Anlehnung an Kathrin Sohsts Buch, Zart im Nehmen ab S. 33, beschreibe ich meine persönlichen Ausprägungen von Merkmalen hochsensibler Menschen: Die Wahrnehmung, die Sinne und das Sozialverhalten

1. Besondere Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen

Wir alle nehmen täglich über unsere Sinne viele Reize wahr. Als Hochsensible nehme ich diese in manchen Bereichen nicht nur intensiver wahr sondern verarbeite sie auch tiefer. Dies kann schnell zu Überlastungen führen. Mir hilft das Wissen darüber, dass ich natürlicherweise mehr aufnehme, Ermüdungserscheinungen rechtzeitig zu bemerken und darauf zu reagieren.

2. Geschärfte Sinne
2a. Sehen

Ich gehe ungerne shoppen. Die grellen Farben, Dinge und Angebote werden mir schnell zu viel. Den Lebensmitteleinkauf organisiere ich daher möglichst effizient. So muss ich weniger häufig einkaufen. Mir hilft es genau zu wissen, was ich will und dann einzukaufen, wenn in den Läden weniger los ist.

2b. Hören

Mein Gehör ist in den letzten Jahren in den hohen Frequenzbereichen viel empfindlicher geworden. Ansonsten reagiere ich auf Geräusche sehr unterschiedlich: Feuerwerke tun meinen Ohren weh underschrecken mich. Laute Musik in der Oper und im klassischen Konzert empfinde ich dagegen als angenehm. Das heißt nicht, dass ich auf Popkonzerte verzichte. Ich genieße sie auch – mit Ohrstöpseln in den Ohren. 

2c. Riechen

Meine Nase scheint nicht sehr empfindlich zu sein. Ich kann mit schlechten Gerüchen gut umgehen. Ich reagiere zwar mit Unwohlsein, wenn in der U-Bahn jemand eine Wolke aus After-Shave oder Parfüm mit sich herumträgt, das geht aber vielen meiner Mitpassagiere genauso.

2d. Schmecken

Ich esse sehr gerne und genieße gutes Essen. Hausmannskost im Winter, die den ganzen Körper wärmt, ist für mich z.B. ein Hochgenuss.

Ich hasse aber den Geschmack eines Apfels, der mit einem Messer geschnitten wurde, das vorher Kontakt mit Zwiebeln hatte. Meine Geschmacksknospen kräuseln sich dann vor Abscheu.

2e. Tasten und Körperwahrnehmung

Ich bin nicht sehr sensibel, was meinen Tastsinn angeht. Mich stört Schafwolle auf der Haut nicht, was meine Kinder gar nicht verstehen können. Ich reagiere auch nicht empfindlich auf Temperaturschwankungen. Allerdings heizen wir seit einigen Jahren im Winter deutlich höher als früher.

Trotzdem kann ich mittlerweile mit meinen Händen Blockaden und feine Energien erspüren. Diese Wahrnehmungen gehören aber eher zum 6. Sinn.

2f. 6. Sinn

Hierunter fasse ich alle Sinneswahrnehmungen, die nicht unter die 5 oben genannten fallen also außersinnliche Wahrnehmungen, z.B. Das Erspüren von Energien jeglicher Art wie das Aufnehmen von Informationen, die nicht ausgesprochen wurden.

Meine Stärken in diesem Bereich nutze ich beruflich. Ich schaue mir die Menschen mit ihrem Energiekörper sozusagen in 4D an.

3. Werte

Kathrin Sohst (S. 40f) spricht vom starken inneren Wertesystem von Hochsensiblen und dem Sinnsuchen. Das kann ich für mich bestätigen. In meiner Tätigkeit im Controlling und der Unternehmensberatung hat mir nach einiger Zeit der Sinn gefehlt. Heute wäre ich in einer Festanstellung wohl nicht mehr glücklich. Ich kann als selbstständige Heilpraktikerin die Werte leben, die ich in meinem Leben brauche. Ich habe eine Familie, ich engagiere mich ehrenamtlich und ich habe Gelegenheit Neues zu entdecken.

4. Sozialverhalten

Ich gehöre zu den 30% extrovertierter Hochsensibler. Ich liebe Menschen und treffe mich gerne mit Freunden. Ich brauche nach diesen Treffen einfach etwas mehr Verarbeitungszeit als andere Menschen. Wie viele andere Hochsensible führe ich gerne tiefgehende authentische Gespräche. Meine Freunde kennen und schätzen das an mir.

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Hochsensibilität in meiner Praxis

Mein jetziger Beruf ist ideal für mich. Ich kann meine außerordentliche Sensibilität im feinstofflichen Bereich nutzen. Ausgehend vom Anliegen meiner Klienten arbeite ich mit dem Energiekörper also mit den Chakren und Energiebahnen. Die Behandlung gestaltet sich nach den so erhaltenen und den mitgeteilten Informationen der Klienten. Ziel ist, den Menschen zu helfen wieder in ihr Gleichgewicht zu kommen. Ich arbeite ausschließlich mit den Selbstheilungskräften und stelle nur zusätzliche Energien für die Heilung zur Verfügung. Wie diese genutzt werden bestimmen alleine meine Klienten. Dadurch entsteht eine wunderbare Zusammenarbeit.

Zuhören und mich in Menschen einfühlen waren Stärken von mir, denen ich mir lange nicht bewusst war. Heute erleichtert sie mir meine Arbeit.

Je länger ich in meiner Praxis arbeite, desto mehr werde ich zum Coach. Oft hilft schon eine einmalige Behandlung, um Schmerzen oder Allergien zu bessern. Bei einigen Themen dauert es aber länger, deren Ursachen zu bearbeiten. Dann ist es hilfreich nicht wieder in altbekannte Gewohnheiten zu verfallen. Im gemeinsamen Gespräch erarbeiten meine Klienten und ich Möglichkeiten wie das verhindert werden kann.

Ein hoher Prozentsatz meiner Klienten ist sehr sensibel. Sie haben erfahren müssen, dass für sie  viele Therapieangebote der Schulmedizin nicht passen. Sie sind vielleicht darum eher bereit außerhalb ausgetretener Pfade nach Alternativen zu suchen.

 

Ergebnisse der Facebook-Umfragen

In den Umfragen habe ich nach der sensitiven Entwicklung der Teilnehmer gefragt. Mehrfachnennungen waren möglich. Hier sind die Ergebnisse:

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Bei den Umfragen in den drei Gruppen haben insgesamt ca. 100 Teilnehmer 322 Einschätzungen abgegeben. Ich habe zwei englischsprachige und eine deutsche Gruppe ausgewählt. Die Mitglieder dieser Gruppen beschäftigen sich im weitesten Sinne mit Persönlichkeitsentwicklung. Das hat den Vorteil, dass sie gewohnt sind, sich selber einzuschätzen und zu reflektieren. Andererseits sind dies auch Menschen, die wahrscheinlich sensibler sind als andere. So haben nur knapp 3 Teilnehmer in den letzten Jahren keine Veränderungen ihrer Sensitivität bemerkt.

Die meisten Veränderungen sind bei Empathie und Energien spüren festgestellt worden. Empathie ist das Vermögen, sich in Eigenarten eines Gegenübers einfühlen zu können. Unter Energien spüren verstehe ich die Wahrnehmung von unterschwelligen Eindrücken und Informationen, wie z.B. die Identifizierung von Kraftorten in der Natur.

Jeder 5. Teilnehmer gibt an, in diesem Bereich sensibler geworden zu sein. Aus den Kommentaren dazu geht hervor, dass insgesamt eine größere Verbundenheit mit der Umwelt gespürt wird.

Der 6. Sinn steht an 3. Stelle. Fast 15% der Antworten beziehen sich auf diese außersinnlichen Wahrnehmungen. Die Teilnehmer stellten fest, dass sie z.B. Dinge wissen bevor sie informiert wurden, sei es durch Träume oder durch Intuition.

Außerdem wird vermehrt Synchronizität erlebt. Damit bezeichnet man zeitlich korrelierende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind. Ist man z.B. für ein Thema sensibilisiert, dann begegnet es einem plötzlich überall. Ein bekanntes Beispiel dafür ist, dass Schwangere plötzlich überall andere Schwangere sehen.

Unter den 5 normalen Sinnen ist die Veränderung beim Hören Spitzenreiter. Hier haben mehrere Teilnehmer beschrieben, dass sie etwas hören lange bevor sie es eigentlich hören können dürften.

 

Verändert sich das allgemeine Sensibilitätsniveau?

Meine persönliche Sensibilität hat sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt. Dies deutet darauf hin, dass Sensibilität eine dynamische Komponente hat. Mit meiner nicht wissenschaftlichen Umfrage kann ich nicht beweisen, dass wir alle dabei sind hochsensibel zu werden. Es ergeben sich jedoch für mich Anhaltspunkte, dass sich grundsätzlich etwas verändert.

Wir sind es gewohnt unsere Sinne als absolut zu sehen. Was sie nicht sind, denn ihr Input wird durch unsere ganz persönliche Wahrnehmung subjektiv selektiert. Ändert sich diese Wahrnehmung, verändert sich auch das, was unsere Sinne an uns weitergeben. Wenn mehrere Menschen eine Situation unterschiedlich beschreiben ist die subjektive Wahrnehmung die Ursache.

Sollte meine These zutreffen, dass sich das durchschnittliche Sensibilitätsniveau langsam steigert, wäre das also auf eine Wahrnehmungsänderung zurückzuführen und weniger auf eine Veränderung der Sinnesorgane. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich die Organe, also die „Hardware“,  sehr verändern. Meiner Meinung nach bekommt die „Software“, die Wahrnehmung, ein Update.

Es ist gut möglich, das wir jetzt die Anfänge einer Entwicklung erleben, die unsere Gesellschaft grundsätzlich verändern könnte. Wie würde eine Welt mit nach heutigem Maßstab hochsensiblen Menschen aussehen?

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You can read this article in English here.

ANHANG: Weitergehende Informationen

I Onlinetests

Sind Sie oder Menschen in ihrem Umfeld hochsensibel? Online gibt es Tests, die man gut als Checklisten nutzen kann. Hier einige Beispiele:

Tests sind immer mit Vorsicht zu betrachten. Manche der Fragen finde ich schwierig, z.B. die nach einem reichen vielschichtigen Innenleben. Wie soll man wissen, was das genau ist geschweige denn ob es auf einen zutrifft? Sie werden mit einem Test jedoch ein wenig einschätzen können, ob und wie viele hochsensible Seiten sie haben.

II Buchtipps

 Elaine Aron

  • Sind Sie hochsensibel? Übersetzung der englischen Originalausgabe 1996
  • Es gibt auch ein Arbeitsbuch (1999) mit diesem Titel
  • Das hochsensible Kind (2002)
  • Hochsensibilität in der Liebe (2006)

Oliver Domröse

  • Der sanfte Krieger: Ein Mutgeber für hochsensible Männer (2016)

Ulrike Hensel

  • Hochsensible Menschen im Coaching (2015)
  • Hochsensible Mitmenschen besser verstehen (2018)

Kathrin Sohst

  • Zart im Nehmen (2016) Wie Sensibilität zur Stärke wird
  • Hochsensibilität im Beruf (2017) aus der Serie 30 Minuten

 

III Webseiten für Hochsensible

 

IV Blogs

© Inge Schumacher

(Bilder: Togi Simatupang, Inge Schumacher)

 

Zeig echtes Mitgefühl und kein Mitleid

Durch mein ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe habe ich in den letzten Jahren viel über das Thema Mitgefühl gelernt. Vor kurzem ist in meinem englischen Blog dazu ein Artikel von mir erschienen, Titel: Show Compassion not Pity. Ich finde das Thema so wichtig, dass ich mich auch gerne mit deutschsprachigen Menschen darüber austauschen möchte. Ich freue mich daher über Kommentare! Viel Spaß beim Lesen.

Flüchtlinge in Deutschland

Als 2015 eine riesige Flüchtlingswelle Europa überrollte, nahm Deutschland innerhalb eines Jahres eine Million von ihnen auf. Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht Millionen Deutsche ihre Ärmel hochgekrempelt und unkompliziert geholfen hätten.

In meinem Viertel von Hamburg wurde eines von über 30 Erstaufnahmen eröffnet. Sie besteht aus Containern. Nach monatelanger Gegenwehr einiger Anwohner konnten im Frühjahr 2016 die ersten Flüchtlinge einziehen. Betrieben wird das Camp von den Johannitern, die von Anfang an hervorragend mit uns Freiwilligen zusammengearbeitet haben. Wir haben uns, wie so viele andere, einfach in die Arbeit gestürzt und erst später den Verein Lemsahl-hilft gegründet. Heute engagieren sich bei uns immer noch über 100 Menschen in verschiedenen Bereichen.

Es dauerte eine Weile bis wir tragfähige Strukturen geschaffen hatten. Wir stellten aber auch fest, dass uns manchmal der passende Mindset fehlte. Unter dem englischen Begriff mindset versteht man Denkweise oder Herangehensweise. Meine Aufgabe ist die Koordination der Bildungsgruppe für Erwachsene und ich unterrichte mit 12 Kollegen regelmäßig Deutsch.

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Was war das Problem?

Unsere Schüler kamen unregelmäßig und meistens zu spät. Viele schienen überhaupt kein Interesse daran zu haben Deutsch zu lernen. Die Flüchtlinge verhielten sich definitiv nicht so, wie wir es von ihnen erwarteten! Wir dachten, die Flüchtlinge machten etwas falsch – wir fällten ein Urteil. Wir waren enttäuscht und das wirkte sich negativ auf unsere Motivation aus.

Es dauerte eine Weile bis wir unsere Einstellung geändert hatten und die teilweise Ablehnung unseres Angebots nicht mehr persönlich nahmen.

Das heißt nicht, dass wir die Entscheidung, keinen Deutschkurs zu besuchen, die einige Flüchtlinge trafen, gut fanden. Das mussten wir auch nicht. Wir lernten, dass es nicht in unserer Verantwortung liegt, dass alle, denen es unserer Meinung nach gut tun würde, unser Angebot auch wahrnahmen.

Ich habe darüber mit vielen anderen Freiwilligen gesprochen. Anscheinend müssen wir alle lernen, nicht die Verantwortung für etwas zu übernehmen, dass außerhalb unseres Verantwortungsbereiches liegt.

 

Was ist Mitgefühl?

Für mich bedeutet Mitgefühl in erster Linie Akzeptanz. Wenn wir Mitgefühl zeigen, drücken wir damit Verständnis und Freundlichkeit aus. Wir begeben uns auf die gleiche Ebene wie unser Gegenüber und vermitteln ihm, dass er wichtig ist. Mit Mitgefühl erschaffen wir also eine Atmosphäre von Gleichberechtigung. Wir sind auf Augenhöhe.

Das finde ich besonders wichtig, wenn wir über längere Zeiträume mit Menschen arbeiten, wie in der Flüchtlingsarbeit und in der Integration.

Was ist Mitleid?

Mitleid fühlen wir, wenn uns jemand Leid tut. Dann befinden wir uns aber nicht mehr auf der gleichen Ebene mit ihm, obwohl wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Warum?

Drücken wir Mitleid aus, bewerten wir, was diese Person denkt oder tut. Das tun wir ganz automatisch. Implizit drücken wir damit aus, dass der andere seine Realität nicht gut genug erschafft und wir es besser machen könnten. Wir agieren nicht auf Augenhöhe.

Warum ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid so wichtig?

In der deutschen Sprache sind sich beide Begriffe sehr ähnlich. Die Gefahr sie als Synonyme zu verwenden ist daher groß. Der Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid als innere Einstellung ist jedoch gewaltig. Wir drücken eine ganz andere Energie aus, je nachdem, ob wir aus Mitgefühl oder aus Mitleid heraus agieren. Die Energie, die wir ausstrahlen, wird wahrgenommen und es wird darauf reagiert, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Meiner Erfahrung nach reagieren Menschen viel offener, wenn ein Hilfsangebot mit Mitgefühl und Akzeptanz verbunden ist. Menschen, die bemitleidet werden, fühlen sich nicht angenommen.

Ich nenne das automatische Ausdrücken von Mitleid die Mitleidsfalle. Strahle ich Mitleid aus, kann ich schwer effiziente Hilfe zur Selbsthilfe leisten, da ich nicht auf Augenhöhe mit meinem Gegenüber bin.

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Mitgefühl bei der Arbeit mit Flüchtlingen

Begegnungen auf Augenhöhe sind für mich die wichtigste Basis der gesamten Flüchtlingsarbeit. Ich passe auf damit ich nicht mehr automatisch in die Mitleidsfalle tappe. Natürlich passiert mir das immer noch. Ich erinnere mich dann daran, dass mein Gegenüber nicht hilflos ist und genauso wie ich in der Lage ist, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Ich behandele die Flüchtlinge so wie ich auch behandelt werden möchte. Viele von ihnen sind unter schrecklichen Umständen geflohen und haben unglaubliche Abscheulichkeiten erlebt. Eine große Anzahl kämpft gegen Depressionen. Trotzdem sind sie ganz normale Menschen wie Du und ich und wollen auch so wahrgenommen werden. Sie haben genauso viele Fehler, Vorurteile und Probleme wie wir. Und sie genießen es, genau wie wir, akzeptiert zu werden. Das Unterrichten und die vielen anderen Aktivitäten machen sehr viel Spaß. Wir lachen viel und manchmal weinen wir auch gemeinsam.

Wir sind jetzt seit 2 Jahren in der Erstaufnahme tätig. Die Freiwilligen, die jetzt noch aktiv und motiviert sind, sind diejenigen, die ihren mindset, ihre innere Einstellung, angepasst haben und aus Mitgefühl heraus arbeiten. Diejenigen, deren Erwartungen laufend enttäuscht wurden, sind schnell ausgebrannt und haben aufgehört.

Mitgefühl mit Menschen, die sich als Opfer fühlen

Wir waren sicher alle schon einmal in einer Situation, in der wir uns als Opfer gefühlt haben. In diesen Momenten haben wir keine Auswege gesehen und uns hilflos und ohnmächtig gefühlt. Manche Menschen erschaffen immer wieder unkomfortable Situationen. Hier kann man mit ehrlichem Mitgefühl sehr gut helfen.

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Wie kann man Mitgefühl am besten ausdrücken?

Wichtig ist das Gegenüber wahrzunehmen. Oft hilft es einfach nur da zu sein. Wir können eine Zeitlang zuhören. Wir können unser Gegenüber berühren oder in den Arm nehmen. Ich rate jedem, in einer solchen Situation seinen Impulsen zu folgen und das zu tun, was für beide Parteien am besten passt. Dazu gehört auch, nur dann Ratschläge zu geben, wenn man danach gefragt wird.

Wenn wir um Rat gefragt werden, ist es wichtig positiv und unterstützend zu sein. Also nicht zu sagen: „Das hast Du falsch gemacht“ oder „Dieses oder jenes solltest Du auf keinen Fall tun“. Man könnte seine Sätze beginnen mit „Ich würde wahrscheinlich…“ oder „Vielleicht könntest Du … probieren“. Das zeigt Respekt und lässt dem anderen Raum.

Ganz wichtig ist zu versuchen keine Erwartungen an das Verhalten der anderen Person auszudrücken. In der Art von: „Jetzt musst Du aber endlich in die Puschen kommen!“ oder „Das war total daneben!“ Das ist natürlich viel leichter gesagt als getan! Schließlich wollen wir, dass es unserem Freund, Familienmitglied oder Kollegen schnell besser geht. Wir sind es so gewohnt, in einer solchen Situation Erwartungen zu generieren und zu transportieren. Damit drücken wir aber kein echtes Mitgefühl aus, sondern machen die andere Person klein.

Erfahrung mit Mitgefühl in meiner Praxis

Mitgefühl ist ein grundlegendes Werkzeug meiner Arbeit. Ich bin seit über 10 Jahren als Heilerin tätig und arbeite mit Energie. Seit 7 Jahren habe ich den Titel Heilpraktiker.  Mit Empathie und Mitgefühl stelle ich eine Beziehung zu meinen Klienten her. Dabei hilft mir sicher, dass ich Menschen sehr mag.

Am Anfang meiner Tätigkeit hatte ich Angst davor mit chronisch oder schwer kranken Menschen zu arbeiten. Ich bin in die Mitleidsfalle getappt und habe meine eigenen Ängste auf sie projiziert. Ich habe diese Menschen damit als hilflos und nicht als gleichberechtigt und gleichwertig wahrgenommen.

Eine Freundin von mir, die Krebs im Endstadium hatte, hat mir sehr geholfen dies zu überwinden. Sie ermutigte mich mit ihr zu arbeiten und ich konnte einige ihrer Symptome lindern. So durfte ich herausfinden, dass die Arbeit mit ihr genauso faszinierend und erfüllend für mich war, wie die mit meinen anderen Klienten. Und dass sie genauso fähig war, wichtige Entscheidungen für sich zu treffen wie jeder andere.

Wegen dieser Erfahrungen falle ich jetzt nicht mehr so leicht in die Mitleidsfalle, wenn Klienten eine besonders schlimme Zeit durchmachen. Dadurch kann ich mich viel besser auf meine Aufgabe konzentrieren und sie konstruktiv unterstützen.

Wir müssen zuerst für uns selbst sorgen

Wenn man mit Mitgefühl anderen Menschen helfen will, ist es sehr wichtig immer die eigenen Grenzen im Blick zu behalten. Dabei ist es egal, ob man als Freiwilliger arbeitet, hauptberuflich im Gesundheitswesen tätig ist oder zu Hause ein Familienmitglied pflegt.

In dem Moment, in dem wir unsere eigenen Grenzen vergessen, erschaffen wir Probleme. Was passiert z.B. wenn wir zu lange den immer gleichen endlosen Klagen zuhören? Früher oder später haben wir so die Nase voll, dass wir dem anderen Menschen die Schuld daran geben, dass wir uns unwohl fühlen.

Dabei sind wir natürlich selbst verantwortlich für dieses Unwohlsein. Das ist nicht die Schuld unseres Gegenübers. Er drückt sich nur aus und es liegt in unserer Verantwortung uns ebenfalls auszudrücken. Wenn wir anfangen uns unwohl zu fühlen, sollten wir das Thema wechseln, weg gehen oder auf nette Art und Weise versuchen mitzuteilen, dass dieses Gespräch zu nichts führt.

Wir sind genauso wichtig  wie unser Gegenüber. Die Person, die am besten für uns sorgen kann und muss, sind immer wir selbst. Nur wenn wir unsere eigenen Grenzen respektieren, sind wir in der Lage bei nächster Gelegenheit wieder für jemanden da zu sein. 

Mitgefühl ist der Schlüssel zur Integration

In meiner Wahrnehmung hat sich in Deutschland seit der Flüchtlingskrise grundsätzlich etwas verändert. Ohne die vielen Helfer wäre unser Sozialsystem in die Knie gegangen. Ich war positiv überrascht: Ich hätte diese langfristige Hilfsbereitschaft uns Deutschen nicht zugetraut.

Die Erstaufnahme in meinem Stadtteil wird Ende 2018 aufgelöst, die Container werden abgebaut und ein neues Wohngebiet wird entstehen. Wir stehen jetzt vor der nächsten riesigen Aufgabe: Der Integration. Integration wird am besten funktionieren, wenn wir weiterhin auf Augenhöhe mit den Flüchtlingen arbeiten und unsere eigenen Grenzen dabei nicht aus den Augen verlieren.

Gemeinsam haben wir Deutschen ein neues Kapitel in unserer Geschichte aufgeschlagen, das Kapitel des Mitgefühls.

© Inge Schumacher

 

Jana Ritzen hat Empathie und Mitgefühl mit dem Fokus auf Burnout untersucht. Sehr empfehlenswert! Link zu ihrem Artikel.
Einen lesenswerten Artikel über den Umgang mit Menschen mit Behinderung hat Kay Uplifter in ihrem Blog geschrieben. Hier ist der Link.